Zum ersten Mal ging ich diesen Weg an einem Mittwoch: 2. Juni 1971 – Fortuna spielte in der Aufstiegsrunde zur Bundesliga gegen Borussia Neunkirchen. Von der Worringer ging es über die Gerresheimer zur Behrenstraße. Dort vorbei an der Feuerwache und dem Kraftwerk Flingern. Aufregung und Herzklopfen wurden immer stärker. Rechts rein in die Vennhauser Straße, dann links durch die Unterführung, vorbei am Alemannia-Platz. Wir waren am Flinger Broich.

Jetzt noch die Müllverbrennung rechts liegen lassen, rasch über die Kreuzung mit der Haltestelle „Fortunaplatz“ – endlich ragten die Flutlichtmasten vor mir in die Höhe. In der einzigen, endlos langen Schlange eingereiht. Nur langsam ging es voran. Endlich waren wir am Ziel meiner Träume: Dem wunderbaren, einzigartigen Fortuna-Platz am Flinger Broich.

Mein Onkel setzte mich an der Bank ab, die sich direkt am Zaun hinter der Gegengeraden und beiden Toren erstreckte und ging den Stehplatzwall hoch zu seinen Kumpels. Ich erinnere mich noch daran, dass sich meine Helden – Wilfried Woyke, Fred Hesse, Reiner Geye, Egon Köhnen und wie sie alle hießen – in weinroten Trainingsanzügen warmliefen. Und an eine Glanzparade des Neunkirchener Torwächters Willy Ertz, der einen schier unhaltbaren Weitschuss über die Latte faustete. Und natürlich an das unbeschreibliche Glücksgefühl bei den beiden fantastischen Traumtoren von Robert Begerau und Dieter Herzog.

Danach ging es immer alleine oder mit Kumpels zum Flinger Broich, wo der Deutsche Meister von 1933 in der Saison 1971/72 seine Bundesliga-Begegnungen austrug; und zwar zu den Spielen sowie genauso gerne und so oft es ging zum Training. Ich durfte direkt neben dem Tor von Wilfried Woyke oder Kurt Büns stehen und hatte die äußerst wichtige Aufgabe, den Bällen hinterherzujagen, die vor allem Reiner Geye und Peter Biesenkamp gerne mal über den Zaun auf den Flinger Broich pöhlten. Nach dem Training wartete ich dann mit Stift und Autogrammheft auf die Spieler und Trainer Heinz Lucas.

Noch heute sind es Glücksgefühle, die ich auf diesem schönsten aller Wege empfinde. Dem Weg zum Paul-Janes-Stadion, wie es seit den 80ern offiziell heißt. Oder PJS und „der Broich“, wie dieses Stadion ab den Viertligazeiten häufig genannt wurde. Für mich mein Weg zum Flinger Broich, zum Fortuna-Platz!

[Anmerkung der Redaktion: Unser Mitstreiter Hajo hat uns diese Fotos und den folgenden Text zukommen lassen, weil ihm bei einem abendlichen Besuch im Toni-Turek-Haus ganz rotweiß ums Herz wurde und ihn Erinnerungen an glorreiche Tage am Flinger Broich überkamen – das wollten wir anderen Fortuna-Fans nicht vorenthalten.]

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