Als ob der Bautumult am Kö-Bogen und das Wühlen rund um die Wehrhahn-Linie in der Stadt nicht genug Unheil angerichtet haben, droht der schönsten Stadt am Rhein jetzt der Original-Bauwahn der Deutschen Bahn. Man will den RRX, den Rhein-Ruhr-Express, der mit möglichst wenigen Haltepunkte und eng getaktet zwischen Dortmund und Köln verkehren und so die RE- und S-Bahn-Verbindungen von Pendlern entlasten soll, die eben nicht täglich bloß von Duisburg nach Düsseldorf reisen. Eigentlich ein vielversprechendes Projekt, wären das nicht die durchgeknallten Planer der Bahn, die diese Gelegenheit wahrnehmen wollen, überall in den Städten aber mal so richtig bürgerfeindlich zu wirken. Zwei Stellen in Friedrichstadt und Bilk sind davon besonders betroffen: Die Gustav-Poensgen-Straße und der Volksgarten. Während auf dem Bahndamm, der parallel zur Gustav-Poensgen-Straße zwischen Helmholtz- und Remscheider Straße verläuft, vier Meter hohe Lärmschutzwände errichtet werden sollen, plant man, dem Volksgarten am Bahndamm zwischen Hennekamp und Emmastraße schlappe sechs Meter zu klauen. Dagegen regt sich nun erster Widerstand.

Ebenfalls betroffen ist die TuRU, die aber gleich eingeknickt ist und zugestimmt hat, dass die Bahn während der Bauphase ihr Lager auf einem der Nebenplätze aufschlägt. In dieser Bauphase fielen nicht nur die sechs Meter zwischen Bahndamm und Düssel im Volksgarten weg, weitere sechs Meter wären nicht nutzbar, die Düssel würde während zwei oder drei Jahren überbaut. Dies alles, weil man bei der kaputtgesparten Bahn meint, es müsse für den RRX ein zusätzliches Gleis angelegt werden. Bahnexperten halten das für Unfug, weil bereits jetzt sieben Schienenstränge parallel verlaufen, wovon zwei für den S-Bahn-Verkehr, zwei für den Fernverkehr und zwei für den Regioexpress und den Güterverkehr genutzt werden. Ob es wirklich sinnvoll ist, weitere zwei Schienenstränge exklusiv für den RRX anzulegen, wird von Kennern stark bezweifelt. Sicher ist, dass die Anwohner den Eingriff am Volksgarten nicht kampflos zulassen werden.

Die aktuelle Situation der Gleise am S.-Bahnhof Volksgarten (Quelle: Google Earth)

Die aktuelle Situation der Gleise am S.-Bahnhof Volksgarten (Quelle: Google Earth)

Genauso schlimm trifft es die Anwohner der Gustav-Poensgen-Straße, eine Straße, die mit einer der schönsten Häuserzeilen der Stadt ausgestattet ist, aber eben direkt gegenüber dem Bahndamm liegt, über den alle relevanten Schienenstränge Düsseldorfs führen. Längs des Damms stehen wunderbare Platanen, zwischen denen es ausreichenden Parkraum für die Anwohner gibt. Bunt gemischt ist hier die Nachbarschaft, im besten Sinne multikulturell geprägt. Schon jetzt schauen Bewohner nicht nur im Erdgeschoss, sondern auch in der jeweils ersten und teilweise auch zweiten Etage beim Blick aus dem Fenster auf den altgedienten Bahndamm mit seinen groben Steinquadern. Trotzdem erreicht die Morgensonne die Straße und taucht die farbigen Fassaden in ein schönes Licht. Damit wäre es mit der Errichtung der Lärmschutzwände vorbei. Denn deren obere Kante läge dann etwa auf Höhe des jeweils dritten oder vierten Stockwerks und nähme den Menschen das Sonnenlicht weg.

Auch hier stellt sich die Frage nach dem Sinn. Von Beschwerden über die Lärmbelästigung durch den Schienenverkehr ist bei Umfragen auf der Straße nichts zu hören. Und altgediente Gustav-Poensgen-Bewohner geben unisono zu Protokoll, sie würden die Züge schon lange nicht mehr wahrnehmen. Das gilt vor allem für das Stück der Straße nördlich der Hüttenstraße. Am südlich gelegenen Ende hört man bei ungünstigen Windverhältnissen bis weit in die Nacht und vom frühen Morgen an die Geräusche der abfahrenden Züge an der Haltstelle Friedrichstadt-S; auch dies kein Grund für Anwohner, sich zu beschweren. Beschweren werden sich dagegen bald vor allem die Besitzer von Häusern oder Eigentumswohnungen an der Gustav-Poensgen-Straße, die den Wert ihrer Immobilien schwinden sehen. Sie befürchten zu Recht, dass kaum noch jemand in einer Straße wohnen möchte, in die kein Sonnenstrahl mehr fällt.

Apropos: Natürlich will die Bahn auch die herrlichen und recht alten Bäume fällen. Und die Parkplätze dazwischen sollen auch wegfallen – Verkehrspolitik brutal durch eine Gesellschaft, deren Unfähigkeit, vernünftig zu planen, notorisch ist. Bis zur Gründung einer Anwohnerinitiative kann es angesichts dieser Pläne nicht mehr lange dauern.

Download PDF

Antworten