Das Schönste an dieser insgesamt unansehnlichen Begegnung zweier echter Traditionsvereine war das dritte Tor für die glorreiche Fortuna, das aus einem Spielzug entstand, den man in den sprichwörtlichen Lehrbüchern findet – und zwar sowohl im Kapitel “Angriff”, als auch unter “Abwehr”. Ihlas Bebou flankt von der Grundlinie aus auf den perfekt postierten Rouwen Henning, der aus drei, vier Meter Entfernung einlocht. Dass ihm dabei außer dem KSC-Keeper noch drei Profis in Blau zuschauten, qualifizierte die Situation zudem für die Abteilung “Defensive – wie man es nicht macht”. Überhaupt kam unter den beobachtenden F95-Anhänger keine größere Euphorie auf, getreu des alten Gesangs “Ohne Gegner macht es keinen Spaß”. Die Leistung des auf dem Platz umherirrenden KSC-Teams desolat zu nennen, ist eine Untertreibung.

Die blaue Mannschaft versemmelte die wenigen Chancen, die sie hatte, und verteidigte nach dem Hühnerhaufenprinzip und der Devise “Nimm du ihn, ich hab ihn schon.” Da kommt Mitleid auf. Und obwohl wie hier nur selten über den Gegner schreiben, muss man daran erinnern, dass der KSC vor zwei Jahren in der Relegation zur Ersten Bundesliga nur dank eines mehr als fragwürdigen Freistoßes am HSV scheiterte.

Ob dagegen die Fortuna noch den Relegationsplatz erreicht, ist eine Frage für Utopisten. Denn gut gespielt hat die Mannschaft im mehr alt als ehrwürdigen Wildparkstadion nicht. Wieder gab es jede Menge Planlosigkeit, Unzulänglichkeiten bei der Ballannahme und -kontrolle sowie Fehlpässe von absurder Schönheit. Und eigentlich hätte es in der 9. Minute in Michael Rensings Gehäuse klingeln müssen, hätten sich die Spieler der Heimtruppe nicht kollektiv dämlich angestellt. In dieser Situation waren die Roten nicht mal mehr ein Hühnerhaufen, sondern bestenfalls ein Stapel Chicken Wings. Zum Glück wiederholte sich ein derart drastisches Fehlverhalten im eigenen Sechzehner in den restlichen Spielminuten nicht.

Aufstellung wie immer

Aufgestellt hatte das erfahrene Trainer-Duo Funkel / Hermann wie immer, also mit einem vereinsamten Hennings als Mittelstürmer, aber ohne den zweiten Vollstürmer, den der Goalgetter so dringend braucht. Ein Experten im Bilker Häzz stellte die interessante Theorie auf, dass Funkel den begabten Emma Iyoha gar nicht mehr in der Startelf bringen könne, weil das dann so aussähe, als gäbe er der grassierenden Fan-Nörgelei nach. Blöd für Iyoha, blöd für Hennings, blöd fürs Torverhältnis. Immerhin agierten Bebou auf rechts und Oliver Fink auf links praktisch wie Oldschool-Außenstürmer, wobei Käpt’n Fink nicht ansatzweise so effizient am Offensivspiel teilnahm wie der junge Bebou.

Die Viererkette hatte einen nicht ganz so guten Tag und wäre bei einem adäquaten Gegner vermutlich untergegangen. Das zeigte sich vor allem an Kevin Akpoguma, dem kein einziger Pass gelang, der aber gelegentlich sinnlos in der gegnerischen Hälfte herumtrabte. Die gröbsten Dinger haute Robin Bormuth weg, während Julian Schauerte die meisten Probleme mit sich selbst und dem Ball hatte. Angesichts des extrem schwachen Gegners musste auch Lukas Schmitz nicht die von ihm gewohnte Leistung bringen. Dass Adam Bodzek, der wieder mittun konnte, eine Art Libero gab, überraschte nicht. Eher schon die ziemlich tolle Aufgabenteilung der beiden großen Mittelfeldtalente. Marcel Sobottka und Kaan Ayhan ergänzen sich mit ihren Möglichkeiten, Charakteren und Spielweisen perfekt und kommen sich nie in die Quere.

Alles nicht so wichtig

Wie gesagt: Das alles war beim heutigen Spiel nicht so wichtig. Selten wurde einem F95-Team der Auswärtssieg so leicht gemacht. Da muss sich keiner der Spieler auf den Sieg zu Null und mit drei eigenen Toren viel einbilden. Erfreulich war – neben der eingangs erwähnten Szene – das Tor nach einer Ecke, das – obwohl ein KSCler unglücklich einnickte – zeigt, in welche Richtung es bei der Fortuna in Sachen Standardsituationen gehen kann. Auch das Konterverhalten vor dem ersten Tor durch Hennings macht Hoffnung auf mehr … in den restlichen Spielen und sogar für die kommende Saison.

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