Es ist gute, alte Tradition das Weihnachtsfest mit Huhn zu veredeln. Die letzten Jahre wurde nachmittags in Rath serviert, nun zur Abwechslung mal abends im schönen Sauerland. Die Begleitung des Schreiberlings durch Kind klein und Freundin von Kind klein ist hierbei ebenso traditionell wie die Paarung selbst, die Begleitung durch Kind groß war neu – das Versprechen, in Iserlohn Hockey der alten Schule zu erleben, hat zum Mitkommen animiert. Und es sah zumindest zu Beginn auch so aus, als könne das Versprechen gehalten werden.

Verschwommene Sichten

Denn dass man als Zuschauer eines Spiels einer Profiliga danebensteht, wenn sich Spieler auf einem noch nicht einmal ernsthaft abgesteckten Areal zwischen Grill und Bierwagen stretchen, ist zumindest eher ungewöhnlich und in dieser Form nicht im Dome und erst recht nicht bei Fußballspielen, die Kind groß üblicherweise besucht, denkbar – jedenfalls nicht oberhalb der Bezirksliga. Oldschool halt. Sympathisch.

Zu den Problemen, die man in Iserlohn in Kauf nehmen muss, gehört, dass man das Spiel nicht vernünftig sieht, jedenfalls dann nicht, wenn man sich auf die drei Reihen unterhalb des eigentlichen Gästeblocks stellt und durch das milchige Plexiglas gucken muss. Aber das ist immer noch besser als oben, wo es knüppelvoll und man von jüngeren Herren in roten Regenjacken umgeben ist. Spoiler: Auf diese Herren wird noch zurückzukommen sein.

h2>Rein sportliche Probleme

Zu den rein sportlichen Problemen gehört, das die wunderschöne DEG arg vom Ausfallpech geplagt ist – die Verteidiger Alexander Urbom, Marco Nowak, Johannes Huß und natürlich Alexander Sulzer sind ebenso verletzt wie die Stürmer Chad Nehring und Rihards Bukarts (okay, der ist nicht verletzt, sondern krank, aber das kommt spieltechnisch auf dasselbe hinaus …), dazu sind Hendrik Hane und Alexander Dersch bei der U20-WM im Einsatz. So standen gerade noch fünf Verteidiger im Kader und das auch nur, weil Nicholas Jensen seine Bänderverletzung hat Bänderverletzung sein lassen und sich die Schlittschuhe geschnürt hat. Leon Niederberger kam während der Partie zu den Ausfällen dazu (und hat es kaum noch über die Bande geschafft), so dass die Partie mit viereinhalb Verteidigern und zehn Stürmern beendet werden musste.

Zu den rein sportlichen Problemen der Gastgeber gehört dagegen, dass sie das Tor nicht treffen, obwohl sie durchaus namhafte Stürmer in ihren Reihen haben – den frisch aus Schwenningen geholten Jamie MacQueen etwa oder auch Alexandre Grenier, vom Stadionsprecher als „Äääääälex“ angekündigt, obwohl Vor- wie Nachname den interessierten Beobachter erahnen lassen, dass er aus dem französischsprachigen Teil Kanadas stammt. Wie auch immer. Weder MacQueen noch Grenier noch der frühere DEG-Stürmer Alexei Dmitriev in seinem 500. DEL-Spiel noch sonst jemand aus dem Hühnerstall war in der Lage, das frühe 0:1 (1. Minute, Tor Flaake, Assist Ebner) zu egalisieren. Ist der DEG-Sturm mit bislang 77 Treffern schon nicht übermäßig produktiv, ist der aus Iserlohn mit gerade einmal 58 Treffern aus jetzt 31 Partien fast schon mitleidserweckend schlecht.

Schlechte Stürme

Wie schlecht er ist, lässt sich daran ersehen, dass der Schreiberling die Zahl deren Torschüsse auf etwa 50 geschätzt hätte, aber nur 19 in der offiziellen Statistik auftauchen. Und das sind die, die auch wirklich aufs Tor gekommen sind, die anderen 31 Abschlussversuche sind demnach irgendwo durchs Sauerland geflogen. Grottig, wirklich, aber das ist deren Problem, nicht unseres. Es blieb also beim 1:0, ein auch gegen einen schwachen Gegner mit diesem Rumpfkader durchaus beachtliches Ergebnis.

Irgendwann wurden die jämmerlichen Angriffsversuche dann auch dem pubertären heimischen Besuchervolk zu blöd und sie haben ihre Anstrengungen von Anfeuern auf Infantiles verlagert und eine DEG-Fahne, äh, erbeutet. Und sie präsentiert, dramatisch angekündigt hinter einem eigenen Banner als käme jetzt eine Pyroshow orgiastischen Ausmaßes in einem Fußballstadion. Für den durchschnittlichen Hockeyzuschauer, zu denen der Schreiberling ebenso zählt wie 98% der anderen Besucher dieser und jeder anderen Halle, ist das einfach nur zum Fremdschämen. Und die Reaktion der DEG-Ultras nicht minder, die beleidigt von dannen ziehen wollten mit ihren roten Jäckchen, daran aber von der Polizei gehindert wurde, die wohl nicht zu Unrecht befürchtet hat, dass sich ein paar der Testosteronbomben beider Lager am liebsten auf die Fresse gehauen hätten.

Kindereien der Ultras

An Weihnachten. Beim Eishockey. So standen sie dann auf der Treppe, kamen nicht vor und wollten nicht zurück und schmollten. Mal ganz freundschaftlich, Leute: GEHT UNS MIT EUREN KINDEREIEN NICHT AUF DEN SACK! Dieses Getue und Gepose ist beim Fußball schon schwer erträglich, gehört aber dort mittlerweile wohl leider dazu. Aber verdammt noch mal nicht beim Hockey. Da steht man vor und nach dem Spiel mit Iserlohner Fans zusammen und plaudert, lässt sich wunderschöne Mützen feinster Mohair-Strickart schenken und gibt Polizeibeamtinnen Feuer (und den Tipp, den Ketchup aus dem Mundwinkel zu entfernen, den das Grillsteak da hinterlassen hat). So geht Hockey, nur so.

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