Hundehalter aus anderen Großstädten werden bisweilen grün vor Neid, wenn sie vom rechten Ufer aus über den Strom auf die ausgedehnten Wiesen der schönsten Stadt am Rhein blicken und dann noch erfahren, dass dort grundsätzlich kein Leinenzwang herrscht. Vermutlich gibt es das an keinem anderen Ort in Deutschland in dieser Form, jedenfalls nicht am Rhein. Dieses Hundeparadies erstreckt sich über fast sechs Kilometer immer zwischen Rhein und den Häuserzeilen von Heerdt, Oberkassel, Niederkassel und Lörick. Und wenn heute von den „Oberkasseler Rheinwiesen“ die Rede ist, dann gibt es den Sprachgebrauch wieder, ohne geografisch korrekt zu sein, den gemeint ist das Gelände zwischen der Oberkasseler und der Kniebrücke sowie der Zipfel Wiese bis runter nach Heerdt. Und um es gleich vorwegzunehmen: Ein Mal im Jahr ist die Wiese zwischen den Brücken nicht nutzbar, weil dann die Größte Kirmes am Rhein genau dort stattfindet. Gelegentlich gastiert dort ein Zirkus, oder es findet ein kleiners Volksfest statt, aber das kann man umgehen. Wie überall auf den diversen Rheinwiesen wieden hier aber natürlich vom Frühjahr bis zum Herbst Schafe. Es gibt eine sehr große Herde, die manchmal den Weg blockiert, sowie zwei kleinere, die in Pferchen zusammengehalten werden.

Ausgangspunkt für eine große Runde ist am besten das linksrheinische Ende der Kniebrücke. Autofahrer biegen aus der Innenstadt kommend rechts ab und gleich wieder scharf rechts, um den kleinen Parkplatz an der Brücke anzusteuern. Oft sind dort morgens bis 10:00 Plätze frei; falls nicht, lohnt es sich, den Kaiser-Wilhelm-Ring und die Seitenstraße nach einem Abstellplatz zu scannen. Die Rheinbahn bringt Frau oder Herr und Hund mit der Buslinie 825 bzw. 826 bis zur Düsseldorfer Straße gegenüber der Jugendherberge. Für ÖPNV-Nutzer ist aber auch die Straßenbahnhaltestelle Luegplatz ein geeigneter Startplatz; die Linien U70, U74, U75, U76 und U77 landen hier.

Das Gelände gliedert sich nicht nur in den Bereich links bzw. rechts der Kniebrücke, sondern der Länge nach auch durch den Vordeich, der zwischen Brücken richtig deutlich ausgeprägt ist und sich auf der Heerdter Seite langsam verdünnisiert. Wer den Deich ansteuert, hat dann einen passablen Weg für Fußgänger, die bis ganz nach Heerdt führt und anders herum bis zur Oberkasseler Brücke und weiter Richtung Lörick. Eine Runde, die an der Oberkasseler Brücke unten auf dem Deich beginnt und auf diesem Pfad bis etwa zum Rheinalleetunnel und zurück auf dem Hauptweg führt, ist etwa 5,5 Kilometer lang.

Von der eigentlichen Kirmesweiese mit den gepflasterten Kirmesstraßen sollte man sich eher fernhalten, weil dort das ganze Jahr über Scherben herumliegen und der Untergrund auch nicht besonders zum Laufen, Spielen und Toben einlädt. Rechts der Kniebrücke sieht das ganz anders aus, weil dort das gesamte Gelände durchgehend hundefreundlich ist. Unter der Woche vormittags trifft man vorwiegend Stammgäste, also Hundehalter/innen, die praktisch jeden Tag hier mit ihren Fellträger rumspazieren. Die überwiegende Mehrheit der Menschen und Hunde ist nett und freundlich, hysterische Halter/innen eher selten – alle kennen die Spielregeln einer leinenbefreiten Zone. Allerdings überwiegen größere Köter – etwa vom Begale an aufwärts bis zu großen Doggen, Riesenschnauzern und entsprechenden Mischlingen.

Geländegängige Mensch-Hund-Teams gehen weiter – und zwar in Richtung Wasser, denn unterhalb des Vordeichs erstreckt sich ein wildes Gelände, das je nach Wasserstand natürlich unterschiedlich groß ist. Hier ist der Untergrund uneben, von Basaltsteinen durchsetzt und mit Löchern versehen, sodass Halter auf ihre Schritte achten sollten. Außerdem ist es dringendst angeraten, auf den Fiffi zu achten, wenn er sich in die Fluten von Vater Rhein stürzt, denn der ist gerade hier besonders tückisch. In allen Buchten gibt es gefährliche Unterströmungen, die noch gefährlicher werden, wenn vorbeifahrende Schiffe zusätzliche Bewegungen des Wassers auslösen. Selbst die Schwimmstars unter den Tölen sollte niemand unbeaufsichtigt am und im Rhein spielen lassen! Die Stammgäste wissen das, deswegen ist auch schon seit einigen Jahren kein Hund mehr dort ertrunken. Eine weitere Gefahr besteht im Sommer an den (wenigen) Stellen, an denen hier gegrillt wird. Das ist im Wesentlichen der Fall unter beiden Brücken, und nach heißen Wochenenden finden sich schlecht geräumte Feuerstellen und jede Menge weggeworfene Lebensmittel.

Wer einen Canis mit massivem Jagdtrieb hat, sollte besonders oben am Parkplatz unter der Kniebrücke aufpassen; dort gibt es Dutzende Kaninchen, die ihre Baue in den Aufschüttungen zur Fahrbahn haben und in Panik auch schon mal auf die Straße rennen. Rennt Waldi mit, begibt er sich in Lebensgefahr! Ansonsten sind beide Wiesen relativ frei von Karnickeln, und die Mäuse, die so ein Wautz findet, die gönnen wir Hundefreunde ihm ja.

Das schönste für den begleitenden Mensch ist aber der permanente Blick über den Fluss auf die schönste Stadt am Rhein – diese Aussicht ist unbezahlbar!

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