Frühling im Botanischen Garten – Gemüse wächst nicht in der Plastikverpackung

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Das Zentrum des Botanischen Gartens ist eine filigrane Glaskuppel aus dem Jahre 1976. Jede der 630 dreieckigen Scheiben ist gleich groß, alle Stahlrohre sind gleichlang. Die Entstehung dieser Kuppel wird im Eingangsbereich gleich auf mehreren Schautafeln ausführlich dokumentiert. In der Tat handelt es sich bei dem Wahrzeichen des Botanischen Gartens um eine Demonstration menschlicher Baukunst, die auf Euklid (300 v. Chr.) mit seinen Erkenntnissen über zusammengesetzte Dreiecke basiert. Es fallen Begriffe wie Tetraeder (3 Flächen), Oktaeder (8) und Platonische Körper.

Lageplan: Botanischer Garten der HHU

Lageplan: Botanischer Garten der HHU

Wer sich nicht, an quälende Mathestunden erinnert, schaudernd abwendet, dem geht spätestens bei der grafischen Darstellung eines Ikosaeder mit seinen zwanzig Dreiecken ein Licht auf. Beim Zusammensetzen von Dreiecken kann kein rechter Winkel entstehen. Man erhält eine Kugel. Im Innern dieses technischen Wunderwerks wachsen Pflanzen aus fernen Ländern wie Kalifornien, Chile, Neuseeland und Asien. Schilder in lateinischer Sprache geben Auskunft über Art und Gattung. Für den biologischen Laien ist der Rundgang relativ schnell beendet.

Im Freigelände

Frühling im Botanischen Garten

Frühling im Botanischen Garten

Anders sieht es im Freigelände aus – ich staune, verharre ehrfürchtig. Es ist Mai und die Natur präsentiert sich in voller Pracht. Es blüht überall. Die Vögel singen. An einem Beet mit blauen Kugelblüten brummt die Luft. Hummeln und Insekten aller Art geben sich ein Stelldichein. Einige Meter weiter komme ich zu einem kleinen Teich mit gelb blühenden Lilien und wundere mich über plumpsende Geräusche.

Schnell wird klar: Frösche sonnen sich auf den Steinen. Erschreckt durch mein Erscheinen retten sie sich ins kühle Nass – um wenig später das Sonnenbaden fortzusetzen.

Ich passiere den Apothekergarten, der wie schon der Name sagt Heilkräuter für Krankheiten aller Art bereithält. Hier erfahre ich, dass schon der Neandertaler die berauschende Wirkung des Mohns kannten und dass wir unser Wissen über Heilkräuter den Aufzeichnungen der Mönchen des Mittelalters verdanken.

Nächste Station: der Gemüsegarten

Eine Mahnung an die Pflückwilligen...

Eine Mahnung an die Pflückwilligen…

Eine große Stellwand trägt die Überschrift „Pflanzenwünsche, Menschenwünsche“ und kommt zu dem Schluss, dass beide das gleiche wollen – nämlich gesund sein. Ein glücklich lachender Apfel zum Beispiel erzählt, wie holzig und sauer er früher war – wie wenig ergiebig sein Erbgut. Dank dem Menschen sei er heute dick und süß, der Ertrag eines einzelnen Baum habe sich unglaublich gesteigert. Auch die Getreidekörner freuen sich. Früher fielen sie – kaum reif – zu Boden. Heute bleiben in den Ähren sitzen – damit der Mensch sie ernten kann.

Chemie und gentechnische Veränderung ist zumindest hier kein Thema. Warum auch. Zweck dieser Informationstafeln – sowie diverser Führungen und Veranstaltungen – ist wohl, dem jungen Publikum samt Eltern oder Lehrern begreiflich zu machen, dass unser Essen nicht im Supermarkt und in Plastik verpackt auf den Regalen wächst. Der Botanische Garten will informieren, er wirbt um Respekt vor der Natur – und das ist gut! Die Schönheit und Vielfalt der Natur tut ihr Übriges. Aber eines schafft sie beide nicht. Sie können nicht über das Unbehagen, dass mich angesichts der gewaltigen Eingriffe des Menschen in die Natur ergreift, hinwegtäuschen.

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