Wir Düsseldorfer wissen es: Aus Köln kann nichts Gutes kommen. Deswegen war den Eingeborenen der allerschönsten Stadt am Rhein schon am Aufstiegstag klar, dass die glorreiche Fortuna Ärger mit dem Videobeweis haben würde. Denn die „hochmoderne“ (O-Ton DFB) VAR-Zentrale hat man in Köln untergebracht. Tatsächlich gab’s gleich im ersten Heimspiel gegen die Puppenkiste eine nachträgliche Entscheidung zuungunsten unserer Mannschaft. Friedhelm Funkel meinte, der Video-Schiri hätte das Foul an Raman sehen müssen, der dann beim Verteidigen vor dem Ausgleich fehlte. Sagen wir so: Das war ja noch der mildeste Wahnsinn der ersten Tage. Das Hin und Her um Platzverweise in VW-Burg und die serienhaften Pro-FCB-Entscheidungen in der Partie gegen Hoffenheim ließen Schlimmes befürchten.

Aber dann ging die Schiedsrichterbürokratie des Verbandes in den Panikmodus und reformierte innerhalb Tagen diese Einrichtung, die für so viel Spaß und Überraschungen gesorgt hatte. Man stelle sich vor, der DFB würde immer so schnell reformieren und entscheiden … nicht auszudenken. Jedenfalls ist es ab Spieltag 3 relativ ruhig um die Burschen geworden, die im Domdorf in einem schmucklosen Raum vor den Monitoren hocken und knifflige Szene sehen sollen. Und zwar so ruhig, dass sich mancher fragt, ob der/die/das VAR insgeheim schon wieder abgeschafft wurde. Tatsächlich wurden an den ersten beiden Spieltagen doppelt so viele Szene – wie heißt es im Sportdenglisch? – gereviewed wie an den restlichen fünf Spieltagen zusammen. Anscheinend hat die Raketenreform genutzt.

Aber nur scheinbar. Die globale Wettindustrie, die ja über alles und jeden Statistiken führt, gibt an, dass weltweit jedes 12. Fußballspiel, bei dem es VAR gibt, durch einen Videobeweis ENTSCHIEDEN wird. Muss man sich mal vorstellen: Jede zwölfte Begegnung wäre anders ausgegangen. Leider gibt es keine Statistik darüber, wie viele Soccer-Partien durch Schiebereien entschieden werden. Und wenn es sie gäbe, würden die Sportwettenkonzerne die im Shredder verschwinden lassen. Betrachtet man den aufziehenden Fußballskandal in Belgien, dann dürften Bestechungen welcher Art auch immer mehr als jedes 12. Spiel entscheiden. Übrigens weltweit, denn die Ermittlungen von UEFA und FIFA dehnen sich gerade mit affenartiger Geschwindigkeit aus – könnte gut sein, dass es keinen Verband, keine Liga auf dem Erdball gibt, die nicht betroffen sind. Also auch die Bundesliga nicht. Dass derlei Schmuddel hierzulande grundsätzlich geht, haben Herr Hoyzer und die Cafe-King-Gang ja seinerzeit nachhaltig vorgeführt.

Nun gehört ja das Wetten auf Begegnungen im Fußball zum Glücksspiel. Seit Sportwetten auch hierzulande erlaubt sind, boomt die Branche wie einst die Pornoindustrie. Die TV-Spots auf den einschlägigen Kanälen lassen vermuten, dass Tipico, Betwin und, ja, auch Betway die Kohle schubkarrenweise zur Sparkasse fahren. Die Argumentation ist bei allen Wettanbietern dieselbe: Hey, wenn du auf die Begegnung von Projekt Leipzig gegen SAP Sinsheim wettest, dann wirst auch die diesem fußballfeindlichen Zeugs Spannung und Unterhaltung abgewinnen können. Folgt man dem, was die Werbefuzzis dem harten Kahn in sein hartes Maul gelegt haben, dann sind Fußballwetten die EINZIGE Möglichkeit, noch so richtig Soccer zu genießen. Das ist krank und böse.

Seitdem die Stadtmuttis und -vatis das Recht auf einen sozialverträglichen Arenanamen für ein Linsengericht an die bundesdeutsche Glücksspiel-Krake vertickt haben, sollte die Fortuna sich ja mit dem Glücksspiel auskennen. Da müsste die sportliche Leitung doch wissen, dass nicht jedes Ergebnis auf Basis der real existierenden Umstände auf dem Rasen zustande kommt, sondern es Unwägbarkeiten gibt, die auszulösen manchmal gewisse Kräfte, die -sammerma- großräumig in Sportwetten investieren, ein virulentes Interesse haben. Die Erfahrung lehrt allerdings, dass die kriminellen Zocker-Gangs lieber nicht auf Partien in Ligen wetten, die zu sehr im Licht der Öffentlichkeit stehen. Insofern ist die Wahrscheinlichkeit vergleichsweise gering, dass Spiel unserer launischen Diva manipuliert werden.

Was das mit dem Videobeweis zu tun hat? Ganz einfach: Mit dieser Einrichtung hat der DFB eine weitere Instanz geschaffen, die über den Ausgang von Partien entscheiden kann. Also: Ein weiteres Einfalltor für die oben erwähnten Kräfte. Wir als Fortunen dürfen glücklich sein, dass in der Bundesliga der Saison 2018/19 (bisher) noch nicht jedes 12. Spiel durch VAR entschieden wurde. Denn rein statistisch wäre F95 inzwischen bald mal dran – so oder so.

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