Vor gut zehn Jahren, nachdem beherzte F95-Freunde im Verbund mit gutwilligen Medienvertretern einen Putsch abgewehrt hatten, sagte der damalige Aufsichtsrat und später AR-Vorsitzende Marcel Kronenberg in einem privaten Gespräch: „Beim Fußball drehen die Kerle alle durch.“ Und meinte damit das irrationale Gebaren, bei dem irgendwelche Typen vorgeben, im Interesse des Vereins zu handeln und dabei gnadenlos Schaden anrichten. Die gute Nachricht: Anno 2019 scheint es bei der Fortuna weniger irre zuzugehen, denn der geplante Skandal um die „Nebentätigkeit“ des Vorstandsvorsitzenden Thomas Röttgermann auf Basis eines dubiosen Handelsblatt-Artikels entwickelte sich nicht zum Shitstorm, ja, nicht einmal zu einem lauen Furz.

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Keine Unruhe

Wer ständig fürchtet, es könne im Verein Unruhe geben – das schlimmste, was einem Fußballclub angeblich passieren kann -, mag das begrüßen. Wer aber genau hinschaut, kann an dieser Kurzgeschichte ablesen, dass auch der Düsseldorfer Turn- und Sportverein Fortuna 1895 e. V. in der Jetztzeit des professionalisierten Fußball-Business angekommen ist. Denn was und wie es geschehen ist, ähnelt nicht mehr den hochemotionalen Tumulten früherer Jahre, sondern dem ganz normalen Intrigenkram wie es ihn in jedem üblichen Unternehmen ab und an gibt. Kann also sein, dass sich der Maulwurf, der dem Handelsblatt-Schreiber Hans-Jürgen Jakobs (der sich Senior Editor nennen darf) Mails durchgesteckt hat, die von Thomas Röttgermann stammen, verrechnet hat.

Aber, wie immer bei solchen unappetitlichen Vorgängen stellt sich die Frage: Wem nützt das? Beziehungsweise: Wem hätte es nützen können, wenn aus der Nummer ein Skandal geworden wäre? Der besagte Herr Jakobs hat also aus Mails zitiert, und vermutlich wird er sich unter Berufung auf den Quellenschutz weigern, zu berichten, wer sie ihm wie hat zukommen lassen. In Frage kommen nur zwei Möglichkeiten. Erstens: Die Empfänger – Pro7Sat1Sport und Sky – haben die Nachrichten ans Handelsblatt weitergereicht. Zweitens: Jemand innerhalb des Vereins hat die Mails ausspioniert und Jakobs zugespielt.

Unzufriedene Maulwürfe

Für die erste Variante spricht wenig: Welches Interesse sollten die Mediengruppen daran haben, Korrespondenz mit Thomas Röttgermann auszuplaudern? Also ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich jemand sich Zugang zu Röttgermanns Mail-Account verschafft hat. Und das kann eigentlich nur ein*e Vereinsmitarbeiter*in gewesen sein. Ein wildes Gerücht besagt, der Maulwurf habe die Mails mit dem Smartphone von Röttgermanns Laptop abfotografiert. Man stelle sich mal vor, der Vorstandsvorsitzende geht sich gerade einen Kaffee holen oder auf die Toilette, da schleicht sich ein Mensch in sein Büro, findet das Notebook aufgeklappt mit geöffnetem Mail-Programm und macht sich auf die Suche nach belastendem Material… Abenteuerlich, nicht wahr?

Wie auch immer: Mit einiger Wahrscheinlichkeit hat also jemand aus dem Verein versucht, dem noch nicht so lange amtierenden Vorstandsvorsitzenden zu schaden, indem er versucht hat, mit medialer Unterstützung einen Keil zwischen den VV und dein Aufsichtsrat zu treiben. Nach allem, was man seit Röttgermanns Amtsantritt aus der Geschäftsstelle hört, hat sich das Betriebsklima dank seines Verhaltens im Bereich der Mitarbeiterführung erheblich verbessert; die Zahl der Unzufriedenen sei drastisch zurückgegangen. Was den Kreis der möglichen Spione einengt.

Alles wieder gut?

Noch vor wenigen Jahren wäre in einer solchen Situation die Gerüchteküche übergekocht, und alle möglichen Nasen hätten versucht, den Schuldigen zu finden und dingfest zu machen. Krach zwischen sich nicht freundlich gesonnenen Seilschaften wäre ausgebrochen, und die Medienvertretern hätten ihre Tastaturen heiß getippt mit täglichen Wasserstandsmeldungen. Fortuna 2019/20 heißt dagegen: Der VV setzt sich mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden zusammen, sie reden Tacheles, der „Beschuldigte“ sieht seine Fehler ein – und alles ist wieder gut.

Nein, nicht alles ist wieder gut. Denn da bleiben die Personalien Steinforth und Welling, die man dann vielleicht doch nochmal auseinanderfieseln sollte. Im Umfeld des Nicht-Skandals kam nämlich en passant heraus, dass der bisherige Direktor Strategie, Marke, Geschäftsentwicklung und Digitalisierung, Alexander Steinforth, geschasst und durch einen gewissen Felix Welling ersetzt wird. Das hat Thomas Röttgermann ohne Absprache mit dem Aufsichtsrat eingestielt, weil angeblich „die Chemie“ mit Steinforth nicht gestimmt habe. Der Kollege Welling, der wie Röttgermann vom VfL Wolfsburg kommt, ist übrigens einer der beiden Kompagnons, mit denen der F95-Vorstandsvorsitzende das besagte Geschäft initiiert hat.

Und jetzt schlagen wir alle schnell nach, was die französische Redensart „Honi soit qui mal y pense“ bedeutet.

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