In der Echtwelt platzen Knoten nicht; sie werden gelöst oder durchhauen. Richtige Journalisten haben von Spochtrepochtern bekanntlich keine hohe Meinung. Das liegt daran, dass uns all die Schreibfinken der Sportthemen mit Sprache quälen. Allen voran die Online-Redaktion des Kicker (Ja, den gibt’s noch!). Kein Vergleich hinkt zu stark, kein Bild hängt zu schief, als dass es die, ähem, Kollegen dort nicht pausenlos in uns hinein penetrieren würden. Und weil die Sprechfinken im TV zwar stellenweise Ahnung haben, aber noch weniger mit Sprache umgehen können, kupfern sie bei den Kickern ab und plappern deren Blödsinn nach, der gesprochen noch bescheuerter aufpoppt als geschrieben. Unabhängig davon wird heute beim Spiel der überaus glorreichen Fortuna gegen diese Frankfurter der Knoten platzen – aber sowas von.

Aber, wie immer, wenn man Flachsinn enthüllen will, lohnt sich eine genauere Analyse der Begriffe. Der in Düsseldorfer Mündern zurzeit sehr heimische “Knotenplatzer” impliziert ja, dass innerhalb der Fortuna auffem Platz irgendwas verknotet ist. Laut dem Duden (Oder muss es heißen “des Dudens”?) handelt es sich bei einem Knoten um eine “festgezogene Verschlingung von Bändern, Fäden, Schnüren o.Ä.” Womit wir bei der Frage sind, wer nun eigentlich in der F95-Offensive die Fäden zieht. Und wer die dann verknotet. Klar, die Stürmer sind in schuld, also vor allem Ducksch – meinen manche Fans nur weil der eine Körpersprache analog zu Kujovic hat. Beide neigen ja dazu, beim Rennen die Beine zu verknoten. Des Hennings’ Beine sind dafür einfach zu kurz, und die des Ramans bewegen sich zu schnell.

Der Knoten befindet sich also nach Ansicht der gewieften Beobachter eindeutig im Sturm und verhindert das Erzielen von Hütten. Die Theorie der armen Geister ist nun, dass DAS Tor den Offensivknoten zum Platzen bringen würde. Gemeint ist: Wenn Henningsduckschramanetc erstmal einmal eingenetzt haben, dann folgen weitere Treffer quasi wie am Schnürchen. Die Historie lehrt anderes und widerlegt diese populäre These, auch bekannt als das “Brustlöser-Theorem” – dies ebenfalls die originäre Erfindung von Spochtrepochtern, die ja auch einen richtigen Beruf haben könnten, wenn sie was Ordentliches gelernt hätten.

Die Metapher stammt aus der Hustensaftreklame früherer Jahre. Man behauptete, der Sirup beinhalte einen Wirkstoff, der das Bronchialsystem zum Abhusten des dort deponierten Schleims bringe. Dellings Zeugen (denn der hat diesen Quatsch eingeführt) meinen folgendes: Trifft einer der Stürmer nach langer Flaute (noch so’n schiefes Bild…), wirkt das wie Hustensaft, und der ganze Schmand der ungeschossenen Tore ergießt sich in des Gegners Bude. Man mag sich das nicht bildlich vorstellen, aber dem Fortuna-Team vor allem heute im feuchtkühlen Waldstadion sehr wünschen.

Nun ist die sprachliche Kreativität von Journalisten aller Art bekanntlich nur als Spurenelement vorhanden, was natürlich in ganz besonderem Maße für die Kollegen vom Sport gilt. Da ist selbstverständlich jeder aus dieser Riege glücklich, wenn er einmal im Leben (Once in a lifetime) solch ein auf allen vier Beinen hinkendes Ding erfunden hat. Ja, manch einer denkt dann darüber nach, auf dem Höhepunkt seines sprachschaffenden Wirkens zurückzutreten. Wobei – dies sei der Wahrheit zu Ehren mitgeteilt – ja ganz, ganz viele Sprachfiguren, die den Klappen der TV-Kommentatoren entgleiten, nicht mehr sind als schräge Übersetzungen von Floskeln aus dem englischen Sprachraum. “Es sind noch 10 Minuten zu gehen” ist die geradezu lächerliche Transferierung des Satzes “There are 10 minutes to go”. Geschenkt.

Man würde sich wünschen, einer der Phrasenpräger würde sich einmal ein paar Monate (oder im Fall des Bela Rethy ein paar Jahre) auf eine einsame, wenn auch komfortable Insel zurückziehen, um dort fern vom sich erholenden Fernsehzuschauer solche witzigen Sprachbilder systematisch zu entwickeln. In diesem Sinne könnten die Stürmer des TSV Fortuna Düsseldorf 1895 heute Abend einfach mal den Korken aus der Flasche ziehen und auswärts einen Kantersieg zelebrieren.

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