Fortuna-Punkte: Die Tops und Flops der Saison – eine Abrechnung (3)

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Die Geschichte der Rückrunde 2018/19 lässt sich an zwei Partien festmachen: Dem verlorenen Testspiel im DFB-Pokal gegen Schalke und der Jahrhundertsieg mit 4:0 gegen denselben Verein – beide in der Dünnbierarena von Gelsenkirchen. Zwar stand unsere glorreiche Fortuna nach der Hinrunde und der sensationellen 9-Punkte-Woche auf dem 14. Platz, aber der Vorsprung auf die Relegationshölle betrug nur vier Punkte. Klar, dass das offizielle Ziel immer noch „Nichtabstieg“ hieß. Und selbst nach dem schwierigen Sieg in Augsburg war ja noch nichts sicher.

Dann kam zwar die Klatsche gegen das Limonadenkonstrukt, aber weil die Kontrahenten da unten nichts gebacken kriegten wuchs der Abstand. Und das Unentschieden im SAP-Dorf tat der F95-Seele auch ziemlich gut. Eigentlich waren die Voraussetzungen also gut, im DFB-Pokal richtig ranzugehen. Zumal es gegen Schlacke ging, dem desolatesten Team der Saison. Ehrlich gesagt: Ihr sehr ergebener Berichterstatter hat nur noch einen (realistischen) Fortuna-Lebenstraum: Einmal noch ein Pokalfinale mit fortunistischer Beteiligung erleben! Die persönliche Enttäuschung über das Spiel und vor allem die taktische Marschroute am 6. Februar war riesig, und so richtig kann Ihr Ergebener dem Neusser Trainerfuchs nicht verzeihen.

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Pokal abgeschenkt

Da agierte der gute Herr Drobny gelegentlich in Zeitlupe und wurde von seinen Vorderleuten ständig zu riskantem Eingreifen gezwungen. Da musste ein Mark Suttner ran, der anscheinend überhaupt nicht angekommen war im Team. Da spielte sich Taka Usami methodisch aus dem Kader. Geradezu albern der Versuch, Rouwen Hennings mit Marvin Ducksch zu kombinieren. Und weil Dodi wieder mächtig Glitzerknete im Hirn hatte, blieb die ganze ernsthafte Offensivarbeit an Dawid Kownacki hängen. Man kann auch sagen: Friedhelm & Co. haben das Spiel qua Aufstellung abgeschenkt.

Ganz anders dann knapp vier Wochen später an gleicher Stelle. 90 Minuten vollste Konzentration. Dem Gegner fast durchweg deutlich überlegen. Mannschaftsgeist, Leidenschaft und der unbändige Wille zu gewinnen. Und damit war das Abstiegsgespenst für die Diva nicht mehr als ein mit Betttuch verkleideter Besenstiel. Platz 11 und zwölf Punkte Vorsprung vor Mercedes Stuttgart – wer hätte das für den 24. Spieltag erwartet. Die einschlägigen Laberköppe, die man „Experten“ nennt, sicher nicht.

Abwehrarbeiter

Reden wir von Mr. Unauffällig. Der kam relativ spät in der Vorbereitung leihweise vom späteren Absteiger aus Schwaben, wo er sich seit seinem Wechsel zur Saison 2016/17 nie besonders ausgezeichnet hat. Seien wir ehrlich: Ausgezeichnet im Wortsinn hat sich der gute Marcin Kaminski auch bei der Fortuna nicht, aber als grundsolider Innenverteidiger mit extrem geringer Fehlerquote bewährt. Vielleicht war und ist es sogar ein Vorteil im Sinne der Mannschaftsdienlichkeit, dass er keinerlei offensive Flause entwickelt. Es sind genau solche Spieler, die in einem ausgewogenen Kader wichtig sind.

Reden wir von einem anderen Defensivarbeiter, der eigentlich ein Held ist: Andre Hoffmann. Der fiel schon nach dem zweiten Spieltag mit einer zunächst gar nicht so schlimm wirkenden Gehirnerschütterung in der gesamt Vorrunde aus. Zweimal (gegen Augsburg und Leipzig) sitzt er auf der Bank, und am 20. Spieltag gegen Hoffenheim steht er auf dem Platz als sei nie was gewesen. Und liefert danach ein tolles Spiel nach dem anderen ab. Dass ein so lange verletzter Spieler so nahtlos wieder eingegliedert werden kann, spricht wieder einmal für den großen Mannschaftsgeist.

Nur die Ruhe

Dann kam der Rausschmiss vom Vorstandsvorsitzenden Robert Schäfer, der nur dadurch zum „Paukenschlag“ und zum Kommunikationsdesaster, weil ein paar Nicht-Sport-Herren der Rheinischen Post ihren Saft nicht bei sich halten konnten. Die meinten nämlich, sie hätten die Information exklusiv und hauten einen Sensationsbericht raus, während alle anderen örtlichen Medien auch Bescheid wussten, sich aber an die selbst auferlegte Sperrfrist hielten. Weil das RP-Duo vorpreschte, konnte die vorbereitete Version („im gegenseitigen Einvernehmen“ und „mit Wirkung vom“) geknickt werden. Eigentlich hatte sich der Aufsichtsrat einigen Aussagen nach mit Schäfer darauf geeinigt, dass er „auf eignen Wunsch“ nach dem Saisonende geht.

Wie auch immer: Plötzlich poppten die ganzen Leute wieder auf, die meinen, Ruhe sei die wichtigste Vereinspflicht. Und unkten, der „Paukenschlag“ können dem Team auf der Zielgeraden noch schaden. Pustekuchen! Völlig unbeeindruckt spielten die Jungs unter fachkundiger Aufsicht des trainerischen Dreigestirns ihren Stiefel runter. Zwar bezog man die nicht unerwartete Klatsche gegen den FCB und blamierte sich halbwegs in Mainz, aber mit dem besonders schönen 4:1 gegen Werder war dann fußballerisch alles wieder gut.

Eine Saison zum Knutschen

Ach, ja, in der Hinrunde wünschte sich mancher (Ihr Ergebener eingeschlossen) die kuschelige Zeit in der zweiten Liga zurück. Gar nicht mal so sehr, weil es wo viele (angeblich) so übermächtige Gegner gab, sondern in erster Linie, weil Auswärtsspiele in Erstligastadien einfach nicht so viel Spaß machen. Nach der 9-Punkte-Woche, die sicher in die F95-Chronik eingehen wird, hatten wir alle uns an alles so weit gewöhnt, dass wir gern bleiben wollten. Zumal sich das Gesamtkunstwerk TSV Fortuna Düsseldorf 1895 in der Saison 2018/19 tatsächlich als das präsentierte, was Fußball eigentlich sein soll: eine Gemeinschaft, in der jeder für den anderen einsteht.

Diese wunderbare Mannschaft, die von Uwe Klein, Robert Palikuca und Goran Vucic zusammengestellt, von Friedhelm Funkel, Thomas Kleine und Axel Bellinghausen perfekt gecoacht und einem unglaublich guten Funktionsteam optimal betreut wurde, hat nicht nur die Herzen der altgedienten Fortuna-Fans gewonnen, sondern auch die der Düsseldorfer, die einfach mal wieder Erstligafußball in der Arena sehen wollten. Und das, was die aktiven Fans, die Stammgäste auf der Süd, die Alles- und die Manchmalfahrer, die Fanclubs, die Ultras und all die Menschen, die das F95 im Herzen tragen, geleistet haben, hätte sportlich vermutlich sogar für die Champions-League-Quali gereicht.

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2 Kommentare

  1. Die Niederlage in Schalke im Pokal hat mich auch geärgert. Schlacke 04 war seinerzeit schon ein total verunsicherter Haufen und wir gehen da mit einer ängstlichen Auf- und Einstellung auf den Rasen und bauen das Kohle-Team wieder auf. Zum Kotzen. Aber vielleicht haben die Blauen da schon wieder gedacht, sie wären ein tolle Mannschaft und reif für was auch immer.

    Die RP hat inzwischen das Niveau der Bildzeitung und wird von mir weitestgehend ignoriert. Manchmal habe ich das Gefühl, die holen sich einen runter, wenn sie Unruhe bei F95 reinbringen können.

    Was unser Team und die kommende Saison angeht, wir sind und bleiben (hoffentlich) mit einigen wenigen anderen Mannschaften ein Dinosaurier im bezahlten Fußball. Die Kacke mit „Kohle über alles“ wird sich nie mehr aufhalten lassen. Aber egal, dann geht es halt vielleicht auch irgendwann wieder runter. Der Fortuna bleibe ich bis zum letzten Atemzug treu, Nationalmannschaft, CL usw. habe ich schon lange aus meinen Interessengebieten verbannt.

  2. In den dunklen Zeiten in der 4.Liga wollte in meinemrestlichen Leben nur noch einmal eine ErstligaSaison sehen – das hat Nobert Meier punktgenau geschafft.

    Die zwei Spielzeiten von Funkel sind nunmehr sagenhaft.

    Bleibt jetzt auch für mich als Wunsch ein Pokalfinale …

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