Wer wird Nummer 2 im Tor in der Saison 2022/23? Das ist die Frage…

Analyse · Das Besondere am Tormann, so geht ein kleiner, böser Spruch, ist nicht, dass er den Ball in die Hände nehmen darf, sondern dass es immer bloß einen pro Mannschaft auf dem Platz gibt. Das bedeutet in der Regel, dass der Keeper der einzige Spieler auf dem Rasen ist, der nicht nach Belieben auch mal als Feldspieler aufgestellt werden könnte. Und dass er im Verlauf einer Partie in 99 Prozent der Fälle gegen einen anderen Torhüter getauscht wird – es sei denn, es gibt keinen fitten Handschuhmann mehr auf der Bank. Wobei: Im Fall des Florian Kastenmeier könnte man es sich sogar vorstellen, ihn auch mal als Feldspieler aufzustellen, denn der Flo ist der moderne Typ Torwart, der auch mit dem Fuß ballsicher ist – inspiriert von Manuel Neuer. [Lesezeit ca. 5 min]

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Das alles macht das Jonglieren auf der Torhüterposition einigermaßen kompliziert – ungefähr ein Drittel aller Erst- und Zweitligisten haben in der vergangenen Saison diese Erfahrung gemacht und den Mann auf der Nummer 1 getauscht. Fortuna hat seit vielen, vielen Jahren immer wieder Schwierigkeiten sich in dieser Hinsicht zu entscheiden. Das liegt seit einiger Zeit an einem Überangebot an anerkannten Talenten. Immer noch hadern große Teile der informierten Fan-Szene damit, wie F95 der großartige Keeper Maduka Okoye abhandengekommen ist. Es habe da quasi ein Mobbing gegen ihn gegeben, das dazu geführt habe, ihm keinen Profivertrag anzubieten, sodass er im Juli 2020 ablösefrei zu Sparta Rotterdam wechselte, wo er als jetzt 22-Jähriger ziemlich gut ankam. Im Afrika-Cup 2022 war er sogar im nigerianischen Kader und wurde in drei von vier Partien eingesetzt.

Eine andere Lesart besagt, dass sich die fürs Sportliche Verantwortlichen hätten zwischen Okoye und dem ein Jahr jüngeren Dennis Gorka hätten entscheiden müssen, dass sie im Sommer 2020 quasi eine Wette hätten abschließen müssen, welches der beiden Talente dem Verein am Ende und über alles betrachtet mehr hätte bringen können. Man entschied sich bekanntlich für Gorka. Sicher hat dabei auch eine Rolle gespielt, dass der gute Maduka nicht ganz so pflegeleicht einzuschätzen war wie der Dennis.

Die Sache mit Maduka und Dennis ist aber auch ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig die Altersstruktur der drei (manchmal auch vier) Keeper im Kader ist. Liegen zwei ähnlich hoch veranlagte Jungs im Alter zu nah beieinander, wird’s kniffelig. Es geht ja immer darum, sich eine echte Nummer 1 heranzuziehen. Die Fortuna hatte in den Zehnerjahren dabei nicht immer ein glückliches Händchen, und wenn der bei uns so herausragend aufgetretene Zach Steffen nicht wieder weggeholt worden wäre (und als 27-Jähriger bei Manchester City in der laufenden Saison gerade mal neun Einsätze bekam … nicht gut für die Karriere!), hätte Flo Kastenmeier den Sprung auf diese Nummer 1 wohl nicht geschafft.

Das Regensburger Gewächs mit dem mutigen Auftreten ist – manche vergessen das bisweilen – auch erst 24 und steht für einen Tormann noch ziemlich am Anfang seiner Laufbahn. Was bei einem Ballfänger heißt, dass er vor allem charakterlich und mental reifen muss, bis er ein Großer wird. Euer zutiefst Ergebener ist sich sicher: Florian Kastenmeier kann einer der ganz großen deutschen Torhüter werden – ob bei der Fortuna ist, eher fraglich.

F95 vs Pauli: Raffa Wolf - wie immer fehlerfrei auf der Linie (Screenshot Sport1)

F95 vs Pauli: Raffa Wolf – wie immer fehlerfrei auf der Linie (Screenshot Sport1)

Das Verrückte, dass Leute wie Klaus Allofs und Christian Weber beim Basteln des Torwartgefüges eben nicht nur auf die aktuelle, nachweisbare Leistungen schauen dürfen, sondern weit in die Zukunft blicken müssen. Das als Vorrede. Und Begründung dafür, dass man unserem 2018er-Aufstiegstorwart, Raphael Wolf, einen neuen Vertrag angeboten hat und sich parallel dazu nach einem ähnlich alten Keeper als designierte Nummer… ja, welche denn? umschaut.

Denn da ist der 20-jährige Dennis Gorka, ein Ausnahmetalent, das – für einen Torhüter ungewöhnlich – schon in jungen Jahren von einigen Verletzungen geplagt wurde. Der wäre bei anhaltender Gesundheit möglicherweise schon in der abgelaufenen Saison Nummer 2 hinter Kastenmeier gewesen und wäre vielleicht hier und da schon zum Starteinsatz gekommen. Stattdessen hat man für kurze Zeit Kai Eisele als vierten Tormann geholt – für den Notfall.

F95 vs SCP: Gorka im Tor - aber nur beim Warmmachen (Foto: TD)

F95 vs SCP (2021): Gorka im Tor – aber nur beim Warmmachen (Foto: TD)

Die Erfahrung lehrt, dass der gute Dennis noch jung genug ist, eine ganze Saison lang „bloß“ als zweite Wahl im Kasten auf der Bank zu sitzen. Sein Vertrag läuft noch bis 2024, da brennt erstmal nichts an. Da er aber Spielpraxis braucht, könnte man ihn entweder regulär im Pokal einsetzen oder der Zwoten zur Verfügung stellen. Die härteste Lösung wäre, ihn an einen ambitionierten Drittligisten auszuleihen. Nachteil daran: Wenn er zurückkommt, wird sich an der Torwartfrage nichts geändert haben. Und Torhüter leiht man besser nicht über mehr als eine Saison hinweg aus.

Die wahrscheinlichste Antwort auf die Torwartfrage lautet also: Flo Kastenmeier bleibt Nummer 1 im Tor, Dennis Gorka rückt vor auf die Nummer 2 und kriegt Einsatzzeiten; außerdem werden der 33-jährige Raffa Wolf oder ein neu geholter Alt-Keeper zur Nummer 3. Konkret bedeutet dies, dass – was die Fußballgöttin verhindern möge! – dem Flo was zustößt, rückt in jedem Fall Dennis Gorka nach. Es bleibt kompliziert, denn im Nachwuchs lauern weitere Torwarttalente, allen voran der 16-jährige Milan Czako aus der U17; der Ungar wurde per Vertrag an die Fortuna gebunden und soll in den nächsten Jahren einen Profivertrag bekommen. Vom Altersabstand ist das in Bezug auf Dennis Gorka eine ideale Sache.

Bleibt eine Langfristfrage: Wird sich Flo Kastenmeier so entwickeln, dass reiche Clubs nach ihm verlangen und bereit sind, paar Milliönchen für ihn hinzublättern? Kann es sein, dass er nur noch eine weitere Saison bei der Fortuna bleibt? Und: Was dann? Es bleibt spannend bei der Fortuna in Sachen Torhüter…

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