Ihr maximal ergebener Berichterstatter ist enttäuscht und sauer: Der Sieg der Fortuna-Angestellten gegen die blauweiße Söldnertruppe fiel ein Tor zu gering aus. Denn schon seit Längerem läuft eine Wette mit seinem Stehplatznachbarn, nachdem dieser Ihrem Ergebenen nach einem 4:0-Sieg im folgenden Heimspiel einen roten Teppich ausrollt. Dieses Mal war’s denkbar knapp, denn aus den vielen Chancen in den letzten zwanzig Minuten hätte sich leicht noch eine Hütte zaubern lassen. Und so schön der erste Sieg der Saison auch schmeckt, was da für 1960 München auf dem brandneuen Rasen rumrannte, war nicht mehr als das, was Trainer manchmal „Aufbaugegner“ nennen. Dass der auch bei den Sechzgern als ML10 firmierende Alpendingsbums nach seinem Wechsel kein bisschen besser geworden ist, trug ihm allerhand Spott und die Auswechslung zur Halbzeit ein. Der Spruch „Hat ML10 schon ein Selfie gepostet?“ machte schnell die Runde. Dass beim Verlesen der Mannschaftsaufstellung das ohnehin zur Schlampigkeit neigende Team in der Skybox genau diesen Liendl als Düsseldorfs Nummer 10 einblendete, sorgte für ein gellendes Pfeifkonzert – das kriegt, wer an dauerhafter Selbstüberschätzung leidet. Und womit? Genau: mit Recht. Dass die Fortuna aber einen Neuen ins Wunschtrikot mit der 10 steckte, war die richtige Antwort auf das Gebaren des Österreichers.

Und dieser Herr Demirbay, den man vom HSV ausborgte, zeigte durchgehend, was für ein toller Fußballer er ist. Und trotzdem war er weder der überragende Spielmacher, noch der entscheidende Erfolgsfaktor beim Sieg. Dieses Mal – und es fällt angesichts dessen, was wir Fortuna-Fans stellenweise seit dem Abstieg aus der Ersten Liga erleiden mussten, so etwas zu schreiben – war die Mannschaft der Star. Gut, was unser Axel in der ersten Spielhälfte kämpferisch UND spielerisch aufbot, war grandios. Der schlug Flanken wie ein darauf spezialisierter Gott. Zu Gast war übrigens Ex-Fortuna Lumpi, der gerade mit seiner Dynamo den Durchmarsch aus der dritten Liga versucht und gestern in K*** tätig, wo die falsche Fortuna mit 1:5 abgefieselt wurde. Und der soll dem Vernehmen nach dem Axel gedroht habe, er müsse demnächst auch in der Ostzone kicken, wenn er sich nicht richtig anstrengt. Ein ums andere Mal rasselte dieser Axel also mit der widerlichen Nr. 7 der Mietzekatzen zusammen, einem unfairen Miststück, der erst nach einer wilden Säbelei, die letztlich Axels Auswechslung bewirkte Gelb sah.

Wenn soll man sonst noch hervorheben? Sicher den Herrn Rensing, der eine Handvoll Glanzparaden ablieferte und mehrmals sogar einen auf Strafraumbeherrschung machte. Und natürlich auch unseren Ihlas Bebou, der den Schock der Ein- und Auswechslung im letzten Spiel gut verdaut hat und zur Belohnung dafür und für – wie man hört – grandiose Trainingsleistungen mit einem Startelfauftritt belohnt wurde. Lieber Sportdirektor, lieber Vorstand: Würdet ihr bitte alles dafür tun, dass Ihlas Bebou von seinem Berater, dem unsympathischen Ex-Torwart Brasas nicht verschachert wird? Danke. Sein schickes Tor in der neunten Minute war nur die Erdbeere auf einer Sahneleistung des jungen Mannes Den neuen Herrn Demirbay haben wir schon gelobt. Und über das ständige Ackern und Kämpfen und Laufen und Tun und Machen des Didier Ya Konan muss man nicht mehr viel sagen, außer, dass er heute auch noch a) ein freches Tor aus nächster Nähe in den kurzen Winkel und b) eine Kopfballhütte erzeigt hat. Zu Recht gab er gemeinsam mit dem Herrn Rensing die Humba, wobei er allerdings Buchstaben nach Gutdünken anforderte, die zusammen so etwas wie AHAMUAMBAH ergaben. Immerhin mit Ausrufezeichen.

Der Herr Schauerte, der ja gelegentlich vergisst, dass Außenverteidiger gelegentlich Defensivaufgaben zu erledigen haben, war heute voll bei der Sache, kämpferisch großartig und mit einer erfreulich geringen Fehlerquote. Das gilt auch für den Herrn Strohdiek, der anscheinend langsam bei uns ankommt. Käpt’n Haggui war sicher wie immer. Allerdings wurde die Viererkette von den harmlosen Schleichkätzchen auch kaum drei- oder viermal ernsthaft gefordert. Erfreulich auch der Auftritt vom Herrn Koch, der auf die große Geste verzichtet und einfach sehr solide spielte. Bleibt noch der Sararer, der möglicherweise von der Anwesenheit des Herrn Demirbay am meisten profitieren wird – so ähnlich die sich in mancher Hinsicht sind, so sehr harmonieren die beiden Profis. Axel musste nach der Pause durch den jungen Herrn Akpoguma ersetzt werden, der seine Sache ganz ordentlich mache, aber eben auch manchmal rumschlampt. Dem ebenfalls eingewechselten Mijnherr van Duinen blieb ein Treffer versagt, den er mit ziemlicher Sicherheit gemacht hätte, wäre es Herrn Koch eingefallen, ihn in der Gasse zu bedienen. Das hätte dem Holländer, der dem Vernehmen nach enorme Eingewöhnungsschwierigkeiten hat, sehr gut getan. Ja, der Mann braucht mal ein Tor, dann wird das der Knipser, den wir eigentlich wollten. Schön dass auch unser Herr Fink am Ende ein bisschen mittun durfte.

Die Stimmung unter den Zuschauern war schon vor den Toren gut und hinterher prima. Sicher hatten auch die eingeladenen Fifty-Fifty-Verkäufer ihren Spaß an diesem Spiel. Schön beim Einlauf in die Kamera gehalten machte ein Transparent der Dissidenti darauf aufmerksam, dass die DFL eine Kackorganisation ist, die unsere Fortuna mit fünf Freitags- und zwei Montagsspielen unter den kommenden acht Spielen verarscht. Leider haben es unsere Vorstände wieder einmal nicht hingekriegt, lautstark und medienöffentlich zu protestieren. Stattdessen gab es eine bescheuerte Stellungnahme von Paul Jäger, dass wir ja für die Querfinanzierung durch die Erste Liga dankbar sein müssten und wir deshalb solche Ansetzungen, die aus Sicherheitserwägungen rund um Erstligabegegnungen entstünden, hinzunehmen hätten. Das Beschissene an diesem Statement: Jetzt wird auch bei uns schon ganz im Sinne des Soccer-Entertainment-Business vor allem mit Geld argumentiert. Die nachgeschobene Erläuterung, man habe außerdem hinter verschlossenen Türen mit der DFL getroffen, weil man derlei Knatsch nicht in der Öffentlichkeit verhackstücken will, ist dann einfach nur noch blöd. Man nehme sich ein Beispiel am FC Union Berlin, deren Vorstände das Maul aufmachen, wenn ihre Fans verarscht werden. So aber entsteht in der Öffentlichkeit immer mehr das Bild von einer lieben, angepassten Fortuna, mit der man es ja machen kann…

Leider bewirkt diese Weichspülentwicklung, die ja besonders vom sogenannten Vorstandsvorsitzenden betrieben wurde und wird, dass immer mehr altgediente Fortunen, die dem Verein in den dunklen Jahren auf die Hufe geholfen haben, wegbleiben, weil das, was sie vorfinden, nicht mehr ihre Fortuna ist, sondern nur ein weitere kühler Verein, der Fußball als Geschäft betrachtet und sich schon einen drauf rubbelt, dass man nachhaltig wirtschaftet.

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1 Kommentar

  1. Hallo Ergebenster,
    wen meinst du denn mit deinem Stehplatznachbarn???
    Ich bin mir sicher, dass es eines schönen Tages den roten Teppich
    geben wird. Jetzt wo unsere Jungs wieder um den Aufstieg mitspielen :o)

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