Lässt sich ein Fußballspiel wirklich objektiv vermessen? Ja, sagen die Statistiker und legen Tabellen um Tabellen vor: Wer wie weit gelaufen, wie oft gepasst oder erfolgreich zweigekämpft und und und. Aber so wenig wie eine komplette DNA-Auflistung den zugehörigen Menschen beschreibt, so fassen Statistiken ein Spiel. Zumal da ja dann auch noch die Zuschauer und Fans sind, die ja gar nicht antreten, die Sache objektiv zu betrachten. Also nörgelte die Mehrheit der altgedienten und durchaus sackundigen F95-Fans am heutigen Spiel herum, während nicht wenige ein in weiten Teilen ordentliches Spiel der Interimsmannschafte gesehen haben wollen. Keine Ahnung ob’s statistisch belegbar ist, aber Ihrem ziemlich ergebenen Berichterstatter war es doch so, als hätten die Angestellten des TSV aus Flingern heute zumindest deutlich weniger Fehler gemacht als in den letzten Spielen. Zudem kam es schon in der ersten Halbzeit, mehr aber noch in Hälfte Zwo zu schönen Spielzügen, von denen der Schönste zum 2:0 führte – ja, das war nach Langem mal wieder ein toll herausgespieltes Tor. Die Nörgler aber zweifeln sogar den Elfer an, der kurz vor der Pause gepfiffen wurde: Unser Axel war soeben mit den Fußspitzen im Darmstädter Sechzehner, als ihn der Ex-Fortuna Balogun mit maximaler Blödheit von den Socken holte. Den Strafstoß netzte unser Charlie gnadenlos ein.

Außerdem betonen die Nörgler, Darnstadt 98 wäre aber auch sowas von schwach gewesen. Okay, wie ein Aufstiegsaspirant haben die nicht aufgespielt, aber in den ersten 45 Minuten hatten sie dann aber doch mehr und bessere Chancen als unsere Herren. Wobei der Herr Rensing in einem Fall die fällige Hütte auf den letzten Drücker mit einer wirklich wundervollen Parade verhinderte. Außerdem gelang es diesem schwer gehypten Strohengel später nicht, völlig frei vorm Tor die Pille in die Maschen zu hieven. Insofern gehört das 1:0 eher in die zweite Spielhälfte. Kommen wir zur Aufstellung, an der besonders schön war, dass unser Ihlas Bebou von Beginn an auf rechts wirbeln durfte und erneut zeigte, dass er ein wirklich großes Talent ist: kaum vom Ball zu trennen, hochkonzentriert, oft mit interessanten Passversuchen und Flanken. Spieler des Spiels war sicher unser Charlie – nicht so sehr wegen der Tore, sondern weil der gewühlt hat wie blöde und soagr öfters in der Defensive mitarbeitete. Apropos: Käpt’n Bodze durfte wieder von Beginn an mittun und machte als IV neben dem Hamburger Herrn Tah eine ganz gute Figur. Untersicherheitsfaktor war wieder der Herr Schauerte, dem irgendwer mal erklären müssten, was genau die Aufgaben eines Außenverteidigers sind – sein Pendant auf links, der Herr Schmitz, löste das besser.

Deutlich wurde auch, dass die aktuelle Mannschaft nur erfolgreich sein kann, wenn die Herren Fink und Pinto beide einen guten Tag haben. Blass blieb die ganze Zeit über unser Axel, dessen beste Tat der Sturz im gegnerischen Strafraum war. Beim finnischen Herrn Pohjanpalo weiß man immer nicht so recht, weil man in Spielen, während derer er kein Tor macht, nicht erkennen kann, was der überhaupt spielen soll. Später kam unser Tuggi und versemmelte die hundertprozentigste Chance, die in dieser Saison je ein Fortune versemmelt hat. Ja, und auch ML10 durfte ganz am Ende noch mitmachen, vielleicht um ihn vom Selfieschießen und Twittern auf der Ersatzbank abzuhalten. Selten hat ein hochbegabter Spieler durch eine derart tiefgehende Fehleinschätzung seiner selbst das Talent in so kurzer Zeit verschleudert – was übrigens auch zu seiner Nichtnominierung in der österreichischen Auswahl führte. Zuletzt wurde noch Jimmy Hoffer auf den Rasen geschickt, was aber keine Folgen hatte.

Die Euphoriker setzten da schon ihre rosaroten Brillen auf und wünschten sich die Humba. Realismus ist halt Glücksache. Denn das heutige Spiel samt Sieg steht erst einmal für nichts, schon gar nicht für irgendeine Trendwende. Es zeigte zumindest, dass im F95-Kader doch gute Fußballer stehen, die – so sie engagiert und konzetriert zu Werke gehen – auch erfolgreich sein können. Deutete die miese Niederlage gegen RBL noch daraufhin, dass die Misere nicht an Trainer Olli gelegen hatte, legt das Spiel von heute nah, dass Zwischentrainer Aksoy ein prima Motivator ist. Aber auch das wird zu nichts führen, weil der neue Cheftrainer anscheinend gefunden wurde – jedenfalls hat Manager Schulte – der Mann, der die Fortuna nicht versteht und doch bitte mal wieder verschwinden möge – eine große Ankündigung angekündigt. Kann ja kaum was anderes sein.

Übrigens: Die Nörgler draußen an den Fernsehempfänger benörgelten mal wieder den miesen Support, was man ja ohnehin immer am besten beurteilen kann, wenn man möglichst weit weg vom Stadion ist. Die real existierenden Fans in den Blöcken 42 bis 39 hörten das anders, zumal gerade am Ende der Partie einige Gesänge bis auf die Sitzplätze übergriffen, ein Effekt, den wir im Rheinstadion aka Espritzarena schon lange nicht mehr hatten.

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5 Kommentare

  1. Lieber Cefred, der Zuckerpass aus vollem Lauf auf Benshop zum 2:0 war aber auch eine gute Szene von Bellinghausen.

  2. Die „100%tige“ von Erat wurde bereits durch das Zögern von „ML10“ beim Passspiel auf 25 % reduziert, weil Erat die Geschwindigkeit herausnehmen musste, um nicht ins Abseits zu laufen und dadurch der gegnerische Torwart schon aus seinem Kasten herauslaufen konnte.

    • Rainer Bartel am

      Okay, das war aus unserer Perspektive im 41er nicht zu erkennen, das sahen wir nur das große, fast leere Tor und den nicht treffenden Erat.

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