Bericht · Sport ist manchmal eine merkwürdige Angelegenheit. Nur 48 Stunden nach dem gefeierten Heimsieg gegen den ERC Ingolstadt folgte ein furchterregend schlechtes Spiel beim allseits geschätzten Nachbarn in Krefeld. 0:3 stand es nach einem ersten Drittel, bei dem für das Zusehen wirklich nur der deutlich verminderte Vergnügungssteuersatz in Ansatz gebracht werden konnte. Wenn ein Verteidiger wie Mirko Sacher, der – bei allem Respekt – nicht unbedingt zur ersten Gilde der Torschützen zu zählen ist, vom eigenen Bully weg weitgehend unbedrängt über das Eis schlendern und einen Treffer erzielen kann, dann kann defensiv nicht alles perfekt gelaufen sein. Wenn ein (vom Schreiberling hochgeschätzter!) Eddi Lewandowski, bekanntlich ein Klassenkamerad von Jaromir Jagr und Gordie Howe, kurz vor Erreichen des Renteneintrittsalters zwei Tore erzielt, auch nicht. [Lesezeit ca. 3 min]

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Weitere 13 Minuten waren im zweiten Drittel gespielt, als DEG-Schnapper Hendrik Hane erlöst, vulgo: durch Mirko Pantkowski wurde. Zu diesem Zeitpunkt stand es 0:6. In Krefeld. Nach 33 Minuten. Man will so etwas noch nicht mal lesen müssen, geschweige denn sehen oder gar erleben. Am Ende stand es – jetzt muss das Wort „immerhin“ vermieden werden – 3:6, wobei, um der Wahrheit die Ehre zu gereichen, zwei der drei DEG-Tore eine Mischung aus Können und Wollen, aber eben auch Zufall und Glück waren. Das war im Saldo wirklich gar nichts. Aber, um positiv zu bleiben: Einen solchen sportlichen Totalschaden hat die DEG eigentlich jede Saison im Angebot (1:8 in Berlin, 0:8 in Iserlohn, so’ne Sachen halt) – vielleicht dient das ja auch nur dazu, dass dem Schreiberling nicht langweilig wird, und das Thema „Klatsche“ ist für 21/22 dann jetzt auch bitte erledigt.

Nur 48 Stunden…

Aber weil Sport manchmal eine merkwürdige Angelegenheit ist, folgte nur 48 Stunden später ein weitgehend ungefährdeter und verdienter 4:1-Sieg beim EHC Nürnberg nach einer mindestens grundsoliden Leistung. Nürnberg ist wie die DEG und wie der KEV ein Team, das sich in die Playoffs kämpfen möchte. Und vor allem bloß nicht in die Nähe des Abstiegsplatzes 14 geraten. Größere Ambitionen sollten hier wie dort wie da bei realistischer Betrachtung eigentlich nicht bestehen. Da nimmt man die drei Punkte doch gerne mit.

Zum ersten Mal seit zig Wochen standen hierbei vier komplette Sturmreihen zur Verfügung, dies dank der Wiederkehr von Jerry D’Amigo und des nachverpflichteten Paul Bittner, der aus der Allsvenskan geholt wurde und zuvor im AHL-Team aus Cleveland durchaus passable Zahlen produzieren konnte. Übermäßig auffällig agierte er in Krefeld und Nürnberg nicht, aber das kann ja noch kommen, wenn er sich erst akklimatisiert und die Kollegen und deren Spiel besser kennengelernt hat. Groß ist er zumindest mal und ein guter Skater scheint er auch zu sein. Zum Ausgleich für die vielen Stürmer standen allerdings nur fünf Verteidiger auf dem Eis – sechs Ausfälle scheinen DEG-Standard zu sein.

Das Spiel ist eigentlich schnell erzählt: Frühes Tor Kyle Cumiskey, spätes PP-Tor Tobi Eder, Drittelpause. Einfach eine starke Vorstellung gegen ziemlich ratlose Gastgeber. Im zweiten Drittel ein (umstrittenes) Abpraller-Tor Niklas Postel und schon wieder Drittelpause. 40 ganz starke Minuten gegen noch immer ratlose Gastgeber. Die im Schlussabschnitt zwar durchaus Dampf machten und viel zum Tor brachten, aber das war beileibe nicht so ein Trommelfeuer wie 3 x 48 Stunden zuvor von Ingolstadt. Trotzdem irgendwie das 1:3 erwurschtelt, aber selbst bei einer späten Strafe gegen Stephen MacAuley und hieraus resultierender 4:6-Unterzahl hatte man nie das Gefühl, dass Nürnberg das Spiel noch kippen könnte. Tobi Eder schon gleich gar nicht: Puck abgefangen, empty net, 4:1, Feierabend. Stabile Leistung, wichtiger Sieg bei einem direkten Konkurrenten. Damit bleibt die DEG Spitzenreiter der zweiten Tabellenhälfte, was ihr wohl nur wenige zugetraut hätten. Der Schreiberling würde das als Endplatzierung durchaus nehmen und dann mal schauen, was die Playoffs so bringen

Nur 48 Stunden…

Aus Nürnberg erst nach Hause zu fahren, lohnt sich übrigens gar nicht, weil nur 48 Stunden später, also Donnerstag, das nächste Spiel ansteht, nämlich Berlin auswärts. Der Systematik zufolge – die DEG spielt recht konsequent im Sieg-Niederlage-Sieg-Niederlage-Rhythmus – wäre wieder eine Niederlage dran, aber Serien sind ja bekanntlich dazu da, gebrochen zu werden, und die Eisbären bekommen bezogen auf die Qualität ihres Teams vor allem auf eigenem Eis bemerkenswert wenig auf die Reihe. Schaumama. Danach ist erstmal längeres Nichtstun angesagt, denn zwischen dem Berlin- und dem Augsburg-Spiel (Sonntag, 14 Uhr, Dome) liegen nicht 48, sondern dekadente 66 Stunden. Wohlfühloase Eishockey.

1 Kommentar

  1. Ich nehme an, die Spieler waren bei dem Spiel in Krefeld einfach geistig platt. Passiert, da muss man durch. Das man Eishockey spielen kann, hat man dann ja gestern wieder gezeigt.

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