Kürzlich hielten mich auf der Kö zwei junge Frauen an und fragten nach dem Weg zur Schadow-Straße an. Den Namen sprachen sie aus wie das englische Wort für Schatten. Das wird Einheimischen kaum je passieren, wer ab dieser Schadow war, nach dem die Straße benannt wurde, wissen auch nur wenige. Das gilt auch für den Corneliusplatz und die Corneliusstraße. Immerhin findet sich am Ende der Kö am Anfang des Hofgartens ein Denkmal für den großen Düsseldorfer Maler Peter Cornelius, der später mit einem „von“ ausgezeichnet wurde; genau wie sein Kollege Friedrich Wilhelm Schadow.

LESEBETEILIGUNG: 12,88 EURO FÜR TD
Ihnen gefällt, was The Düsseldorfer über unsere schöne Stadt schreibt? Und vielleicht auch die Artikel zu anderen Themen? Sie möchten unsere Arbeit unterstützen? Nichts leichter als das! Kaufen Sie eine Lesebeteiligung in unserem Shop – zum Beispiel in Form der Düsseldorf-Lesebeteiligung in Höhe von 12,88 Euro – und zeigen Sie damit, dass The Düsseldorfer Ihnen etwas wert ist.

Peter von Cornelius (Foto von ca. 1850)

Peter von Cornelius (Foto von ca. 1850)

So unterschiedlich die beiden Künstler in vieler Hinsicht waren, so ähnlich waren ihr malerisches Bestreben und ihre Herkunft. Beide stammten nämlich aus Künstlerfamilien; Schadows Vater war Bildhauer in Berlin, Cornelius‘ Vater war Maler und Inspektor an der Kurfürstlichen Akademie zu Düsseldorf, in deren Nachfolge später die Kunstakademie entstand. Solche Bildhauer und Maler waren jedoch um die Jahrhundertwende zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert (und bis weit in die Romantik hinein) keine freischwebenden Hungerleider, die nur ihrer Kreativität lebten, sondern Mischungen aus Handwerkern und Unternehmern. In der Feudalzeit malte keine Maler mal eben so ein Bild vor sich hin, sondern tat dies nur nach Auftrag und gegen Geld. Da musste ein Fürst kommen, der irgendwo Bilder dieses Künstler gesehen hatte und die er mochte. Der beauftragte den Maler dann, für ihn ein ähnliches Gemälde zu schaffen oder gab genau an, welches Motiv er gern hätte.

Maler und Bildhauer als Unternehmer

F.W. von Schadow machte die Kunstakademie groß

F.W. von Schadow machte die Kunstakademie groß

Dieser Geschäftslage entsprechend waren Maler und Bildhauer Lehrberufe. Sowohl Schadow, als auch Cornelius gingen also bei ihren Vätern in die Lehre, was bedeutete, dass sie anfangs niedere Dienste (Farben anrühren, Meißel reinigen etc.) ausübten und ihren alten Herren bei der Arbeit zusahen. In der zweiten Phase erteilte ihnen der Papa dann einfach Aufgaben – vom Zeichnen simpler Motive bis zum Kopieren eigener Gemälde. Danach wurden dann die rein technischen Fähigkeiten durch stupides Üben, Üben, Üben angeeignet und vertieft, bevor der Spross dann anderswo zum Künstler ausgebildet wurde. So kam Peter Cornelius 1798 mit 16 Jahren an die Akademie, wo sein Vater tätig war, der mit seiner weiteren Ausbildung aber nichts zu tun hatte. Schadow dagegen studierte von 1808 bis 1810 an der Berliner Akademie der Künste Malerei.

Zusammen mit seinem Bruder Rudolf, einem Bildhauer, ging er nach Italien, wo er in die Kreise der dort lebenden deutschen Intellektuellen geriet und die Werke der sogenannten Nazarener kennen und schätzen lernte. Diese malten meist monumentale Schinken mit religiösen Themen und romantischer Handschrift. In Rom hatten sich Vertreter dieses Stils im sogenannten Lukasbund zusammengetan – einer von ihnen war Peter Cornelius, dessen Gemälde Schadow bewunderte und dem er nacheiferte.

Kunstakademie wird neu gegründet

Der Schadowkreis - eine Kollektivarbeit von 1830/31

Der Schadowkreis – eine Kollektivarbeit von 1830/31

1819 wurde die Kurfürstliche Akademie, mit der es rapide bergab gegangen und die zu einem fast kunsthandwerklichen Betrieb geworden war, als Königlich Preußische Akademie neu gegründet und Peter Cornelius zum ersten Direktor berufen. Nicht ganz im Sinne seines Dienstherren brachte er die Akademie ganz auf Linie des Nazarener-Stils, der deutlich römisch-katholisch geprägt war. Die gute Ausbildung in Sachen Porträts machte dies aber wieder wett. Schon damals hatte König Ludwig von Bayern ein Auge auf Cornelius geworfen und mit einem Auftrag ausgezeichnet, und 1824 warb er ihn gleich ganz ab, um ihn ab 1825 als Direkter der Münchner Akademie der Künste einzustellen. Nachfolger in Düsseldorf wurde Anfang 1826 Wilhelm Schadow, der das Konzept des Peter Cornelius nahtlos übernahm. In dieser Tradition entstand das, was in der Kunstgeschichte als Düsseldorfer Malerschule berühmt geworden ist. Mit diesem Begriff wird jedoch kein bestimmter Stil beschrieben, sondern allein die Tatsache bestimmt, dass ein Künstler zwischen 1819 und etwa 1918 an der Düsseldorfer Kunstakademie gelernt, gelehrt und/oder gewirkt hat sowie sein künstlerisches Leben weitestgehend im örtlichen und geistigen Umfeld der Akademie verbracht hat.

Denn Wilhelm Schadow wurde als Direktor der Akademie zum Neuerer. Im Gegensatz zu Cornelius, der seiner religiös-romantischen Linie zeitlebens treu blieb, befasste sich Schadow ab 1826 zunehmend mit anderen Motiven, mit anderen Stilen und vor allem mit anderen Lehrmethoden. Das Prinzip des Lehrers, der seine Schüler in seiner Klasse um sich schart, stammt von Schadow – es gilt in der Düsseldorfer Kunstakademie noch heute. Wobei damals wie heute jeder Lehrer bei der Wahl seiner Schüler autonom ist. Weil die Professoren der Akademie aber spätestens ab den Fünfzigerjahren des 19. Jahrhunderts neuen Ideen gegenüber sehr aufgeschlossen waren und eben auch Schüler aufnahmen, die neue Ideen mitbrachten, entwickelte sich die Kunstakademie stetig und parallel zur Entwicklung der bildenden Kunst Europas.

Die künstlerische Bedeutung der beiden

Altarfresko von Peter von Cornelius von 1840

Altarfresko von Peter von Cornelius von 1840

Peter Cornelius war und ist mit Abstand der bedeutendere Maler unter den beiden Kandidaten (über deren persönliches Verhältnis zueinander wenig bekannt ist). Besonders bekannt wurde er mit seinen Wandmalereien (u.a. im Neusser Quirinus-Münster) und monumentalen Fresken, von denen es bedeutende Werke im Palazzo Zuccari in Rom sowie in Berlin, München und Potsdam gibt bzw. gab. Schadow wurde dagegen fast nur im damaligen Preußen mit dem bekannt, was man Feinmalerei nannte. Er liebte den klaren Bildaufbau, die exakte Zeichnung, das naturgetreuen Malen und den glatten, feinen Farbauftrag. Besonders seine Porträts erfreuten sich großer Beliebtheit.

Die Namen beider Künstler finden sich an der Frontseite der Kunstakademie, die zwischen 1875 und 1879 im klassizistischen Stil am Ort des ehemaligen Sicherheitshafen errichtet wurde. Nach der Neugründung war die Akademie zunächst im Galeriegebäude des kurfürstlichen Schlosses untergebracht, das 1872 weitestgehend abbrannte. Zwischen dem zwangsweise Auszug und der Umsiedlung in das neue Gebäude hausierte die Akademie unter erheblich erschwerten Bedingungen im Palais Hondheim an der Akademiestraße unter, wo früher bereits die Kurfürstliche Akademie untergebracht war. Schadow starb 1862 und erlebte die Umzüge nicht mehr. Peter von Cornelius, der inzwischen in Berlin und Rom lebte und wirkte, wurde 1862 Ehrenbürger der Stadt Düsseldorf und starb 1867. Diese Ehrung blieb Wilhelm von Schadow verwehrt.

Download PDF

Antworten