Düsseldorfer Gesichter (16): Wolfgang Schulhoff, Handwerksunternehmer, Politiker und Kunstfreund

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Man könnte auch sagen: Politiker wie Wolfgang Schulhoff werden heute nicht mehr hergestellt. Ich hatte das Vergnügen und die Ehre, in den Achtzigerjahren mehrfach Gespräche geführt zu haben – unter anderem ein umfangreiches Interview für das Stadtmagazin Überblick im Jahr 1980. Nun neigte das Blatt den frisch gegründeten Grünen zu und ich selbst war damals in der jungen Partei aktiv. Wolfgang Schulhoff war dagegen CDU-Mann aus tiefster Überzeugung. Was zu einem Streitgespräch hätte werden können, wurde zu einem langen, fruchtbaren Gedankenaustausch.

Denn der Chef des großen Handwerksbetriebs, den Georg Schulhoff 1926 gegründet hatte, war ein vielseitig interessierter, offener Geist, der die Alternativbewegung im Gegensatz zu vielen Konservativen nicht als radikale Bedrohung empfand, sondern als durchaus spannendes Projekt. Das mag aus seiner Freundschaft zu Anatol, ebenfalls CDU-Mitglied und Beuys-Schüler liegen, mit dem er so oft es ging, diskutierte. Eine weitere Auswirkung dieser Freundschaft zeigte sich in Wolfgang Schulhoffs stetiger Unterstützung des Projekts Insel Hombroich – bis zu seinem Tod im Jahr 2014 war er Vorsitzender der gleichnamigen Kulturstiftung.

Wer seinen Vater gekannt hat, einen gütigen Patriarchen, hätte annehmen können, Wolfgang Schulhoff sei in erster Linie Sohn. Zumal er nach einer Lehre als Installateur und einem Wirtschaftsstudium ganz selbstverständlich in das väterliche Unternehmen einstieg und das Geschäft später führend übernahm. Auch den politischen Weg des Vaters ging der Sohn mit. Zum Zeitpunkt unseres Gesprächs saß er im Rat der Stadt und war stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Dass er 1983 in den Bundestag einziehen und dort bis 2002 als von vielen Fraktionen geschätzter Angeordneter amtieren würde, war noch nicht abzusehen.

In unserem Gespräch redete Wolfgang Schulhoff natürlich über den Vater und die Familiengeschichte. Weil seine Frau Jüdin war, wurde Georg Schulhoff vom NS-Regime auf verschiedenste Art schikaniert und galt nach dem Krieg als Verfolgter. Schulhoff meinte, sein Vater habe ihm mitgegeben, dass sich das, was unter der Herrschaft der NSDAP in Deutschland geschehen sei, nie wiederholen dürfe und dafür zu sorgen vordringliche Aufgabe von Politikern in der Bundesrepublik sein müsse. Dies war auch das Motiv für Georg Schulhoff, aktiv an der Gründung der CDU mitzuwirken. Sohn Wolfgang hat diese Verpflichtung übernommen, und auch wenn er nie ein Mann der schrillen Töne war, so hat er in seinen Jahren in der Politik immer die Stimme erhoben, wenn sich rechtspopulistische, rechtsextreme und rechtsextreme Strömungen in Deutschland zeigten.

Natürlich führte mich Wolfgang Schulhoff auch durch den Betrieb an der Gogrevestraße. Die Stimmung dort und die Art und Weise, wie sich Chef und Mitarbeiter begegneten, war beeindruckend. Und weil sich Schulhoff und seine Leute ganz aufeinander verlassen konnten, blieb dem umtriebigen Mann genug Zeit für seine zahlreichen Ämter. Auch wenn Wolfgang Schulhoff ein leidenschaftlicher Verfechter der sozialen Marktwirtschaft war, war er ganz sicher kein Betonkopf, der andere Positionen nicht gelten ließ. Denn vor allem war er Demokrat, der jederzeit für die freie Meinungsäußerung Andersdenkender eintrat.

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