Ein Nostalgie-Käfer im Schritttempo, dahinter ein Mercedes in den Ausmaßen eines SUV – nichts ist zu hören außer dem leise Rollen der Reifen auf dem Asphalt. Und da stehen sie: eine schier endlose Reihe nagelneuer Personenkraftwagen, die sich äußerlich durch nichts von den im Straßenbild bekannten Modellen unterscheiden. Die meisten von ihnen sind groß, überdimensioniert und hochrädrig. Der ein oder andere Anbieter wirbt mit kostenlosen Probefahrten, eine Rallye wird veranstaltet. So herrscht ein reger Autoverkehr an diesem Sonntag auf dem sonst autofreien unteren Rheinwerft. Eigentlich war ich gekommen, um endlich einmal eine Probefahrt mit einem E-Bike zu machen. Fehlanzeige – es gibt keine.

Ein Fahrrad namens eRockit

Ausgenommen einem mit Namen eRockit, das ich zunächst für ein Motorrad halte. „Das ist das einzige Fahrrad, das eine Zulassung für die Autobahn hat“, erklärt mir der Verkäufer stolz. „Es wiegt über 100 Kilo und erreicht eine Geschwindigkeit von 90 Stundenkilometer. Es hat keinen Gashebel und fährt nur, wenn man in die Pedale tritt.“

Völlig gaga: eRocket, ein Pedelec für die Autobahn

Völlig gaga: eRocket, ein Pedelec für die Autobahn

Auch hier, keine Probefahrt möglich. Das Schätzchen kostet 11.000 Euro und ist im Stadtbild bisher unbekannt. Seine Erfinder sind Berliner Radfahrer, so erfahre ich, die „es“ den Autofahrern endlich mal zeigen wollten.

Ein Lichtblick dieser Veranstaltung: E-Mobile Nutzfahrzeuge

Hier werden wendige Motorräder mit Transportkästen für die Auslieferung gezeigt. Die Stadt Düsseldorf, einer der Hauptsponsoren, ist mit einem großen Stand vertreten und stellt ihren elektrisch betriebenen Fuhrpark vom vierrädrigen Skatebord bis zum Lastwagen vor. Ja, das wäre schön. Der öffentliche Nahverkehr, die Gartenbaubetriebe, die Müllabfuhr – all das mit E-Motor!

Darauf hat die Welt gewartet: ein elektrisches Skateboard

Darauf hat die Welt gewartet: ein elektrisches Skateboard

Größer, schneller, weiter

Die E-Mobilität im Individualverkehr allerdings … der Anblick dieser chrom-blinkenden Riesenkarossen macht mich beklommen. Von Verkehrswende, der Wende zum kleineren, funktionalen Stadtauto mit Tempo 30 keine Spur. Gewicht, Größe und Motorenleistung der ach so umweltfreundlichen und angeblich klimaneutralen E-Fahrzeuge unterscheiden sich in nichts von den Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor.

Spitzenreiter ist ein Landrover, dessen Ausmaße an einen Panzer erinnern – Kostenpunkt 122.000 Euro. Ich erkundige mich beim Anbieter, ob er von dem letzten Unfall mit einem SUV in Berlin gehört habe. Er verneint und so berichte ich ihm, dass der Fahrer die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren habe. Bei dem folgenden Unfall habe er, nachdem er einen Laternenpfahl umlegte, vier Passanten getötet.

Mein Gesprächspartner hat mich als Spaßbremse geoutet und möchte das Gespräch am liebsten beenden. Er verteidigt sich nur noch halbherzig: „Manche Leute wollen eben Off-Road fahren.“ Und weiter: „Manchen Leuten geht es eben um den Insassenschutz.“ Im Namen der Freiheit: nur weil einer etwas will? Aber was ist, wenn es genau das ist, was anderen schadet, der Umwelt schadet, den Lebensraum anderer einschränkt?

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2 Kommentare

  1. Robin S aus D am

    Ich bin euch ursprünglich für Infos über Düsseldorfer Events oder Tipps gefolgt, aber mittlerweile nervt eure Grünpropaganda. Tut euch doch einen Gefallen und ersetzt das „unabhängig“ in eurem Banner zu „Klimapopulistisch“, dann passt wenigstens „informativ“:

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