Was bisher geschahJuli: Zum Relegationshinspiel reisen rund 40.000 Düsseldorfer, die Mehrheit davon ohne Eintrittskarte, nach Frankfurt. Die Polizei sperrt folgerichtig die A3 in Richtung Frankfurt, um so den Tausenden Bussen und Pkw eine sichere Anreise zu ermöglichen. Die hessische Landesregierung hat den Katastrophenfall ausgerufen und fordert die Frankfurter Bevölkerung auf, Türen und Fenster geschlossen zu halten und das Haus nicht zu verlassen. Sämtliche Äppelwoi-Kneipen in Sachsenhausen bieten Public-Viewing an und haben sich mit großen Mengen Altbier ausgerüstet. Das Spiel selbst ist wenig berauschend, sodass es bis zur 90. Minute torlos bleibt. In der 93. Minute fällt F95-Mittelstürmer Graham Linecker im Strafraum der Eintracht. Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus pfeift und zeigt auf den Elfmeterpunkt. Den fälligen Strafstoß verwandelt der kurz zuvor eingewechselte Burgsmüller sicher zum 1:0 für die glorreiche Fortuna. Das Stadion tobt. DFB-Präsidiumsmitglied Paul Jäger schlägt noch vor Ort vor, die Begegnung zu anullieren und zu wiederholen. Die F95-Anhänger schaffen es irgendwie aus der Commerzbacnk-Arena und letztlich auch aus Frankfurt heraus.

August: In der Golzheimer Arena, die inzwischen den Namen des Sponsors Toyobo trägt, nachdem die Benennung nach Ex-Vorstand Jäger angesichts seiner Vorschläge politisch nicht mehr tragbar war, findet das Rückspiel der Relegation zur Ersten Bundesliga statt. Rund 80.000 Frankfurter, die Mehrheit davon ohne Eintrittskarte, sind angereist. Die Polizei sperrt folgerichtig die A3 in Richtung Düsseldorf, um so den Tausenden Bussen und Pkw eine sichere Anreise zu ermöglichen. Der NRW-Innenminister Jäger (nicht Paule, sondern Ralle…) hat den Katastrophenfall ausgerufen und fordert die Düsseldorfer Bevölkerung auf, Türen und Fenster geschlossen zu halten und das Haus nicht zu verlassen. Sämtliche Altbier-Kneipen in der Altstadt bieten Public-Viewing an und haben sich mit großen Mengen Äppelwoi ausgerüstet. Das Spiel selbst ist wenig berauschend, sodass es bis zur 90. Minute torlos bleibt. In der 93. Minute fällt SGE-Mitelstürmer Alex Meyer im Strafraum der Fortuna. Schiedsrichter Manuel Gräfe pfeift und zeigt auf den Elfmeterpunkt. Den fälligen Strafstoß verwandelt der angeblich Gefoulte selbst sicher zum 1:0 für die Eintracht. Das Stadion tobt. In der Verlängerung werden abwechselnd je drei Spieler der beteiligten Mannschaften mit Gelb-Rot oder Glattrot vom Platz gestellt. Bei einem kurzzeitigen Platzsturm durch SGE-Anhänger wird der Strafstoßpunkt auf der Seite des Auswärtsblocks ausgegraben. Es kommt zum Elfmeterschießen. Beim Stande von 47:48 tritt erneut Lumpi Lambertz für die Fortuna an und hämmert den Ball halbhoch in die Mitte und erzielt den Ausgleich. Keeper Hradecky ärgert sich tierisch und tritt vor Wut gegen den Pfosten, woraufhin das Tor in sich zusammenfällt. Schiri Gräfe unterbricht das Elfmeterschießen und schickt die Teams in die Kabinen. Nachdem die Entscheidung auf dem Platz mangels Tor bzw. Elfmeterpunkt nicht fallen kann, wird die Partie ohne Sieger beendet und die Sache der DFB-Gerichtsbarkeit übergeben. Erste und zweite Bundesliga haben bereits den zweiten bzw. dritten Spieltag absolviert.

September: Aufmerksame Mitarbeiter der Fortuna-Geschäftsstelle stellen nach Wochen fest, dass Alleinvorstand Mühlenbeck nicht wie erwartet in seinem Büro sitzt, sondern aus dem Sommerurlaub auf Sri Lanka nicht zurückgekehrt ist. Nachdem die Tür zum Vorstandsbüro aufgebrochen ist, findet man einen Post-it-Zettel mit dem Text: „Komme nicht wieder. Werde Präsident vom indischen Handballverband. Handball ist sowieso geiler als Fußball. Euer Sven.“ Der Aufsichtsratsvorsitzende Ernst erklärt sich bereit, alle vakanten Vorstandsposten kommissarisch zu übernehmen und lädt zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung ein: „Dieser Verein darf nicht führerlos bleiben,“ erklärt er gegenüber der Presse und kündigt eine Reihe von Satzungsänderungen an. Der DFB hat inzwischen ein salomonisches Urteil zur Relegation gefällt. Die Frankfurter Eintracht wird die Hinrunde in der ersten und die Rückrunde in der zweiten Bundesliga bestreiten, die Fortuna soll es umgekehrt machen. Punkte und Tore werden jeweils vom anderen Verein übernommen. Außerdem tragen beide Clubs die Relegationsspiele am Ende der Saison 2016/17 aus. Um die wegen der Relegation ausgefallenen Spiele nachzuholen, tritt die Fortuna im September insgesamt sieben Mal an und holt dabei zwei Siege, zwei Niederlagen und drei Unentschieden. Das Trainergespann zeigt sich zufrieden, die Fans irgendwie auch.

Oktober: Bei der AoMV im Festsaal des Kleingartenvereins Buschermühle stimmen die knapp 200 Berechtigten mit großer Mehrheit für die insgesamt 27 Satzungsänderungen. Unter anderem fallen die Gremien Wahlausschuss und Aufsichtsrat ersatzlos weg. Der Präsident wird mit umfassenden Befugnissen ausgestattet und direkt von den Mitglieder gewählt, wobei Brief- und Online-Wahl ausdrücklich vorgesehen sind. „Ich bin sicher, dass die Fortuna so wieder in ruhiges Fahrwasser kommt,“ erklärt Dr. Reinhold Ernst und verkündet seine Kandidatur für das Präsidentenamt. Völlig überraschend erzielt aber der einzige Gegenkandidat, ein gewisser Wolfgang Fiegen, 102 Stimmen und erringt damit die Mehrheit. Der neue Präsident bedankt sich bei seinen Wählern und erklärt gegenüber der Presse: „Isch widme mein Amt janz dem Paul Jäger. Der war immer jut zu mir.“ Erste Amtshandlung des neuen Vereinsvorsitzenden ist der Rauswurf des Trainerduos. Bei der Vorstellung des neuen Coaches sagt Fiegen: „Dä Campino hat misch den Didi sehr empfohlen, und dem Campino vertrau isch blind.“ Dietmar Hamann erklärt gegenüber den Medien: „Ich freue mich sehr auf diese Herausforderung und danke meinem alten Freund Campion für die Empfehlung. Fortuna Düsseldorf ist ein hochinteressanter Traditionsverein, der in die erste Liga gehört.“ Nach einem Wochenende in der Altstadt und in angesagten Clubs zusammen mit ausgewählten Düsseldorfer Sportjournalisten fügt Hamann an: „Geil gefeiert. Boah, iss mir schlecht.“

November: Die massive Umstellung der Trainingsmethodik sowie die Versetzung aller nicht-britischen Spieler in eine Trainingsgruppe II macht sich bereits im Heimspiel gegen die SG Sonnenhof-Großaspach bemerkbar. Vor 8.213 Zuschauern verliert die Fortuna mit 1:5 und findet sich auf einem Abstiegsplatz wieder. „Ist doch egal,“ merkt Trainer Hamann an, „nächstes Jahr spielen wir doch auf jeden Fall gegen die Eintracht um den Aufstieg!“ Sowohl UD, als auch der Fan-Dachverband SCD bleiben inzwischen den Spielen fern und diskutieren intern die Selbstauflösung. Die Dissdenti Ultras sind bereits zur TuRU nach Oberbilk gewechselt. Ein Sprecher, der anonym bleiben will, sagt: „Ist sowieso näher an unserem Treffpunkt im Limken Zentrum.“ Als zum letzten Heimspiel im November nur noch knapp 3.500 Zuschauer in der Toyobo-Chemistry-and-Ideas-Arena erscheinen, ordnet Präsi Fiegen den Umzug ins Paul-Janes-Stadion am Flinger Broich an. Coach Hamann hat auf Englisch als Amtssprache der Mannschaft umgestellt und weigert sich zudem, Interviews in deutscher Sprache zu führen: „Soccer has been british, is british and will always be british!“ Tote-Hosen-Frontmann geht das Gerüchten zufolge zu weit, und die wenigen verbliebene Fans arbeiten fieberhaft an der Übersetzung ihrer Gesänge.

Dezember: Als Tabellenletzter absolviert Fortuna Düsseldorf das letzte Spiel in der Hinrunde gegen Dynamo Dresden. Nach seiner Degradierung ist Andreas Lambertz zu den Sachsen zurückgekehrt und trifft dreimal gegen seinen ehemaligen Herzensverein. Didi Hamann kommentiert die 1:9-Klatsche lakonisch mit „Shit happens.“ Die DEL hat angeordnet, dass die Fortuna ihre Begegnungen in der Ersten Liga in der inzwischen in ManThei-Sushi-Taxi-Arena umgetauften Spielstätte zu absolvieren hat. Zur Auftaktpartie der Rückrunde tritt wenige Tage vor Weihnachten ausgerechnet der 1. FC Köln an. Vor fast ausverkauftem Haus, mehr als 30.000 FC-Anhänger sind auf die andere Rheinseite gekommen, entwickelt sich ein munteres Spiel mit Chancen hüben wie drüben. Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus hat wenig Mühe mit den ausgesprochen fair und sportlich agierenden Kickern aus den Rheinmetropolen. Bis kurz vor Schluss bleibt es beim 0:0. In der 3. Minute der Nachspielzeit fällt F95-Mittelstürmer Graham Linecker im Strafraum der Kölner vor Schwäche um. Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus pfeift und zeigt auf den Elfmeterpunkt. Den fälligen Strafstoß verwandelt Manfred Burgsmüller, der sich kurz zuvor auf die Bank geschmuggelt und dann selbst eingewechselt hat, sicher zum 1:0 für die glorreiche Fortuna.
Willi Fiegen ordnet in Absprache mit der Stadt an, die Arena per 1. Januar 2017 in Bibiana-Steinhaus-Stadion umzubenennen. Die Feierlichkeiten ziehen sich über die Feiertage und den Jahreswechsel hinweg hin. Bereits am 30. Dezemeber melden die Hausbrauereien, dass sämtliche Altbiervorräte durch feiernde Fortuna-Fans aufgebraucht sind. Trainer Hamann lässt daraufhin 1.200 Keltoliter englisches Ale einfliegen und als Freibier ausschenken. Sein Kommentar dazu: „Cheers, lads!“ Die durch die Stadt irrenden F95-Anhänger skandieren „For he’s a jolly good fellow…“ Oberbürgermeister Geisel ernennt Fiegen im Eilverfahren zum Ehrenbürger und erklärt Englisch zur gleichberechtigten Amtssprache der Stadt.

[Wie die Fortuna mit einem grandiosen Siegeszug die Herzen der Fans zurück gewann, die Relegation gegen Eintracht Frankfurt mit Pauken und Trompeten zu ihren Gunsten entschied und durch die weise Vereinsführung des Willi Fiegen in ruhiges Fahrwasser zurückkehrte, lest ihr dann im Jahresrückblick 2017, der für den 04.01.2017 geplant ist.]

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2 Kommentare

  1. Andrea Eberhardt am

    Wir wollen nicht bis Januar 2017 warten
    Super, danke für diese tollen Rückblicke, wir haben uns abgerollt.
    Freuen uns immer von „“Ihrem ergebenen Berichterstatter “ zu lesen. Weiter so

    Viele rot weiße Grüße
    Andrea und Frank

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