Tja, und wieder ist es ein Stück Stein und wieder ein Kopp, besser gesagt: ein Gesicht, noch besser ausgedrückt: eine Fratze. Da wo sich diese merkwürdige Sandstein-Visage findet, gibt es auch noch merkwürdiges Getier aus Metall. Und daran vorbei gehen vorwiegend junge und/oder sehr wohlhabende Menschen.

1. Wie lautet die Adresse: Königsallee / Bastionstr.
2. Woher kommen die jungen Leute: vom Görres– und Luisen-Gymnasium
3. Wo wohnen die Reichen: InterContinental Düsseldorf

Was es mit der Brücke, den Jungen und den Reichen auf sich hat…

In den Sechzigerjahren gab es zwischen den (Jungen)-Gymnasien der Stadt noch echte Rivalitäten, befördert durch die Wettkämpfe in Fußball, Handball und Leichtathletik. Und natürlich pflegten alle diverse Vorurteile gegen die anderen. Weil an der Kö gelegen und vor allem mit Kindern wohlhabender Leute und hoher Beamten bestückt, galt “das Görres” als Schnöselschule. Offensichtlich hat dieser Ruf nachgewirkt, denn heute ist der Einkommensschnitt der Schülereltern tatsächlich viel höher als an den anderen weiterführenden Schulen. Das kann man auch schön beobachten, wenn man sich die Pausenhorden ansieht, die sich gern auch auf der Brücke aufhalten, die zwischen der Bastion- und der Grünstraße über den Kö-Graben führt.

Über lange Jahre gab es hier auf der Westseite des “Prachtboulevards” nur Banken und Verwaltungsgebäude – zum Beispiel vom Druckhaus Giradet (ehemals Herausgeber der “Düsseldforfer Nachrichten”) und von Mannesmann Anlagenbau. Seit den Sechziger verunziert bis heute ein absurd hässliches Postgebäude das Südende. Nachdem die Görres-Verantwortlichen in einen schrägen Grundstücksdeal eingewilligt hatten, konnte nebenan und auf einem Teil des ehemaligen Schulhos ein Luxushotel errichtet werden – das InterContinental. Das ist dann nach den beiden Traditionshäusern, dem Parkhotel im Hofgarten und dem Breidenbacher Hof am Nordende der Kö, das dritte Haus für die Reichen und Schönen dieser Welt. Glaubt man, zu wissen… Denn tatsächlich kann sich fast jeder Spesenritter – natürlich nur, wenn gerade keine Messe in Düsseldorf stattfindet – dort Übernachtungen leisten. Aber am auffälligsten sind die arabischen Familien, die hier teilweise wochenlang die Suiten bevölkern und ihre Ferraris, Lamborghinis und Bentleys vor dem Hotel abstellen. Tatsächlich sind alle Mitarbeiter des Hauses von außergewöhnlichen Nettigkeit – oft führte mein Weg mit unsere Windhündin Pina daran vorbei, und jedes Mal kam einer der Concierges herbei, um ihr ein Leckerchen zu verabreichen und ein paar Worte mit mir zu wechseln. Als es mir nach einer ziemlichen Biersause am Uerigen mal sehr pressierte und ich im leicht angedötschten Zustand an der Rezeption fragte, ob ich die Toilette besuchen dürfte, kam nur ein “Selbstverständlich” samt Wegbeschreibung. Diesen Eindruck bestätigen übrigens alle, die einmal dort im InterConto an der Kö gewohnt haben.

Drei Brücken führen über die Kö, aber nur zwei haben einen Namen. Die Überführung der Steinstraße heißt offiziell “Kö-Brücke”, und die Brücke zwischen der Trinkaus- und der Königstraße trägt den Namen “Giradetbrücke” als Erinnerung an das bereits erwähnte Verlagshaus. Nur die Füßgängerbrücke, an deren Enden man die abgebildeten Fratzen findet, ist namenlos. Überhaupt findet sich in den diversen Quellen nichts über dieses Bauwerk. Dafür aber über die Giradetbrücke, die 1905 errichtet wurde. Die Gestaltung der Geländer und Steinpfosten übernahm der Bildhauer August Bauer, der durch sein Bismarck-Denkmal (heute vor dem Justizministerium am Martin-Luther-Platz) in Düsseldorf weltberühmt wurde. Aber: Die Geländer und Pfosten auf der kleinen Brücke am Görres sehen genauso aus wie die an der Giradetbrücke. Das lässt eigentlich zwei Schlüsse zu: Entweder wurde diese Brücke zur selben Zeit gebaut, oder sie wurde nachträglich im Stile der Giradetbrücke ausgestattet. Man weisset nit…

[Tipp: Eine der besten Darstellungen der Königsallee gibt es im QuickWiki: www.quickiwiki.com/de/K%C3%B6nigsallee_%28D%C3%BCsseldorf%29]

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